Atsche Latsche

Letzten Donnerstag tauchte im Trashsisters-Topmodel-Gezwitschere plötzlich der Begriff „Atsche Latsche“ auf.
Ricarda meinte, sie hätte das als Kind gerne gespielt und musste mit Erstaunen feststellen, dass das außer mir keiner kannte. Es wurde fleißig gegoogelt aber das Ergebnis war erstaunlicherweise sehr dürftig. Sehr. Es gab nämlich kein Ergebnis. Das führte zu dem Verdacht, dass wir uns das nur ausgedacht hätten. Aber Atsche Latsche gibt es tatsächlich und das will ich euch heute beweisen.

Atsche Latsche ist ein Fangspiel und ich sage jetzt nicht, dass es für Kinder ist, das stimmt nämlich nicht. Das macht nämlich in jedem Alter Spaß. Überhaupt, Kinderspiele. Das ist Erwachsenendiskriminierung.
Wir haben Atsche Latsche früher bei den Pfadfindern gespielt. Das Spiel ist hervorragend dafür geeignet, die Teilnehmer zu ermüden und sollte vorzugsweise im Freien gespielt werden. Die Größe des Areals spielt dabei keine Rolle, je größer, desto mehr muss eben gerannt werden.
Man braucht dafür drei etwa 50 cm lange Hölzer, die zu einer Pyramide zusammengestellt werden, einen Jäger, einen Wächter und viele Läufer.
Der Wächter und der Jäger sind ein Team. Während der Wächter die Pyramide bewacht, versucht der Jäger so viele Läufer wie möglich abzuklatschen. Wer erwischt wird, muss abseits warten, bis er wieder ins Spiel darf. Dies ist dann der Fall, wenn es einem Läufer gelingt, die Pyramide umzutreten. Dabei darf er auch vom Wächter abgeklatscht werden. Gelingt es ihm aber, sind alle gefangenen Läufer wieder frei.
Je nach Größe der Gruppe kann das Jäger-Wächter-Team natürlich auch verstärkt werden.

Zu Ende ist das Spiel, wenn alle Läufer gefangen sind. Aber das passiert so gut wie nie.

Es gibt natürlich verschiedene Varianten des Spiels. Man kann es auch im Wald spielen und die Läufer müssen sich verstecken. Dafür haben sie so lange Zeit, wie der Wächter und der Jäger brauchen, um die Hölzer aufzustellen.
Entdeckt der Jäger einen Läufer, muss er dies deutlich machen und zur Pyramide rennen. Dort angekommen, hält er die Hand über die Hölzer und ruft des Läufers Namen, was ihn zum Gefangenen macht. Da der Jäger dem Läufer aber zeigen muss, dass er ihn entdeckt hat, hat der Läufer die Chance sein Leben zu retten, indem er schneller bei der Pyramide ist und sie umwirft.
Das Ziel der Läufer ist auch hier, unbemerkt die Pyramide umzuwerfen um die Kameraden zu befreien.
Bei dieser Variante stehen eher Taktik, Tarnung und Anschleichen im Vordergrund. Ich glaube, das ist die bekanntere Version des Spiels, die sich bei uns aber nicht durchgesetzt hat, da wir es meist im Hof gespielt haben.

Meine Freundin Fräulein Rucksack hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass das Spiel ursprünglich „A-zerlatsche“ heißt, weil man ein A aus Hölzern zerlatscht, also umtritt. Und dafür bekommt man dann auch bei Google ein paar Ergebnisse. Wahrscheinlich wurde irgendwo in Deutschland aus „A-zerlatsche“ dem Sprachfluss zu Liebe „Atsche Latsche“. Und somit ist das Geheimnis gelüftet.

Jetzt bin ich mal gespannt, wer das Spiel noch kennt, unter welchem Namen und in welcher Variante auch immer 🙂

pfadfinder royal rangers stamm 115

4 Kommentare

  1. Ha das Spiel haben wir auch immer gespielt – nur hieß es Doppel-E. Weil ein doppeltes E auf dem Boden lag, welches dann kaputt gemacht werden musste… Unter Atsche Latsche hätte ich das nie gekannt aber die Regel: gleich

  2. Bei uns hieß es auch A zerlatschen. Wir haben es auf Fahrrädern gespielt, und zwar im ganzen Dorf und über Tage hinweg. Da wurdest Du abgeklatscht, wenn Du gar nicht damit gerechnet hast…
    Atsche Latsche hört sich an wie gehört, gespielt, Namen vergessen und irgendwas in den Bart gemurmelt 🙂

  3. Hallo, zufällig auf deinem Blog gelandet und hängengeblieben…sehr schön! Bei uns heisst das Spiel „Schiitli schuutis“, Grüsse aus der Schweiz.

Yea, ein Kommentar! Ich freu mich!