Die Wahrheit über ‚Hoppe, Hoppe Reiter‘

ich muss euch vorweg darauf aufmerksam machen, dass das Lesen dieses Artikels euer Weltbild ins Wanken bringen könnte. Es kann passieren, dass ihr alles in eurer Kindheit Gelernte plötzlich in Frage stellt. Ihr werdet euch für einen kurzen Moment fühlen, wie ein Kind, dass gerade erfahren hat, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Und keinen Osterhasen. Die Welt ist plötzlich eine andere.

Was ich euch jetzt sage, wird aber auch euren Horizont erweitern. Ihr werdet ein Wissen erlangen, dass nur noch wenige besitzen. Wenn ihr dazu bereit seit, lest weiter.

Folgendes hat sich zugetragen: ich habe gestern im Bücherregal in Wiesloch ein altes Buch mit Kinderreimen gefunden. Das kommt ja wie gerufen, denke ich. Denn ich kann von den meisten Reimen nur den ersten Satz und den wiederhole ich dann halt immer wieder. Das ist bedauerlich und muss der kulturellen Bildung der Waldmöwe zu liebe unbedingt geändert werden.

Heute morgen schlage ich also voller Vorfreude das Buch auf und falle beim Anblick der ersten Seite in eine Schockstarre.

Der einzige Reim, den ich vollständig zu kennen glaubte, geht eigentlich anders.

Kinderreime

Wieso habe ich noch nie von Schnecken und Klee gehört? Auf Instagram munkelt man, es gäbe sogar noch eine Zeile mit einem Teich! Auch von gebrochenen Beinen ist die Rede! Man hat uns wichtige Details über das Schicksal dieses bedauernswerten Reiters verschwiegen! Kulturverschleppung ist das.

Würde man alle Verse zusammenpacken, die meine Instagram Follower kennen, würde der Reim so lauten:

Hoppe, Hoppe Reiter
wenn er fällt, dann schreit er.
Fällt er in die Hecken,
Fressen ihn die Schnecken,
fällt er in den Klee,
schreit er gleich: oh weh!
Fällt er in den Teich,
sieht ihn niemand gleich.
Fällt er in das grüne Gras,
macht er sich die Hosen nass,
fressen ihn die Müllermücken,
die ihn vorn und hinten zwicken.
Fällt er über´n Stein,
bricht er sich das Bein.
Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben,
fällt er in den Sumpf,
macht der Reiter ‚Plumps‘!

Doch damit nicht genug! Als ich mit zitternden Händen weiter blättere, stelle ich mit Entsetzen fest, dass auch ‚Schlaf, Kindlein schlaf‘ ein dunkles Geheimnis hat. Und zwar in Form einer sehr besorgniserregenden zweiten Strophe, die man wohl bewusst unterschlagen hat, um das psychische Wohl der Kinder nicht zu gefährden.

Kinderreime-2

Und gleich daneben, auf der anderen Seite erfahre ich, dass die Blätter des Tannenbaums gar nicht grün sind, sondern treu! Da tun sich Abgründe auf!

Kinderreime-3

Ich wage gar nicht, noch weiter in dem Buch zu lesen, wer weiß, was mich noch alles erwartet. Für heute habe ich jedenfalls genug erstaunliche Wahrheit erfahren.

Es tut mir aufrichtig leid, wenn auch euer Kinderreimfundament jetzt stark erschüttert wurde. Aber dieses neuerlangte Wissen muss in die Welt hinaus getragen werden!

7 Kommentare

  1. Hallöchen,

    also ich kannte die Hecken und die Schnecken und habe mich immer gewundert, warum außer mir niemand davon singt. Ich hatte/habe immernoch ein Buch mit Kinderreimen (Hinterm Berge ABC) und da war der Hoppe Hoppe Reiter-Reim mit den Schnecken drin.

    Ich meine auch, schon oft von den treuen Blättern gelesen/gehört zu haben…das macht ja auch viel mehr Sinn, als grüne Blätter. Sie fallen nämlich nicht herunter, wie die untreuen Blätter der Laubbäume.

    Die zweite Strophe vom Schlaflied finde ich allerdings auch wirklich seltsam…die würde ich weiterhin verschweigen.

    Liebe Grüße
    Nette

    • Geht mir exakt genauso. Ich dachte allerdings immer, mein Vater hätte das mit den Hecken und Schnecken erfunden. 😀

    • PS: Das Buch ist, wie ich finde, wunderschön illustriert. Ich mag diese Art zu zeichnen, sehr!

  2. 🙂

    ich kenne das Schlaflied auch so:

    Schlaf Kindlein schlaf,
    die Mutter hüt‘ die Schaf,
    der Vater ist in Pommernland
    und Pommernland ist abgebrannt,
    schlaf Kindlein schlaf.

    usw…

    Aber nach dem ich nun nachgeschaut habe gehoert das wohl zu “ Maikaefer flieg“ ….

    und zu “ Schlaf Kindlein Schlaf “ nioch folgendes:

    Wiegenlied

    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Dein Vater hüt‘ die Schaf.
    Die Mutter schüttelt’s Bäumelein,
    da fällt herab ein Träumelein.
    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Am Himmel ziehn die Schaf,
    der Mond, der ist das Schäferlein,
    die Sterne sind die Lämmerlein.
    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Dein Vater hüt‘ die Schaf.
    Deine Mutter hütet’s Böckelein
    das bringt dir feine Röckelein.
    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Dann schenk ich dir ein Schaf,
    mit einer güldnen Schelle fein,
    das soll dein Spielgeselle sein.
    Schlaf, Kindchen, schlaf!

    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Und blök nicht wie ein Schaf.
    Sonst kommt des Schäfers Hündelein,
    erschrickt mein böses Kindelein.
    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Geh fort und hüt die Schaf.
    Geh fort, du schwarzes Hündelein
    und weck mir nicht mein Kindelein
    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Schlaf, Kindchen, schlaf!
    Da draußen geht ein Schaf,
    ein Schaf und eine bunte Kuh.
    Mein Kindlein, mach die Augen zu.
    Schlaf, Kindchen, schlaf!

    …..

    oder die Geschichten von “ Hans kuck in die Luft “ und dem “ Suppenkasper “ etc kennst du die??? Oder dieses Maerchen von dem Pferdekopf der ueber dem Dorftor haengt ….. ggggrrrrrrr …… “ Falada der du da hangest … “

    Man sagt das Kinder eher auf Reime und Maerchen etc (ge) horchen 🙂

    Liebe Gruessle

  3. Oh, es tut mir geradezu leid dass ich Dich nicht eher und auf schonende Weise augeklärt habe. Denn auch ich hatte diesen Schock erlitten, als unser Waldblümchen in Waldmöwes Alter war… ist aber auch ganz lustig wenn die Raben picken und die Schnecken kitzeln…
    Und sonst wurd ja mit gutem Grund öfters mal ne Stophe unterschlagen. Der Mond geht bei uns auch nur bis zur dritten Stophe, ich mag doch mein Kleinkind nicht „eitel arme Sünder“ nennen!?

    • Die Waldmöwe findet das Kitzeln und Picken auch viel lustiger, als das Plumpsen 🙂
      Was die Schlaflieder angeht bleibe ich bei den Rangerliedern und Amazing Grace.

  4. Das was sich so gruselig anhört und Kindern (und auch Erwachsenen) Angst macht, nennt man „schwarze Pädagogik“. Ziemlich veraltet und überholt aber immernoch aufzustöbern. Wie zum Beispiel in „Struwwelpeter“….

Yea, ein Kommentar! Ich freu mich!