Ein Beni Ourain direkt aus Marokko

Kaum ein Teppich begeistert Interiorfans mehr, als die sogenannten Beni Ourain Teppiche. Besonders aus den skandinavischen Interiors ist er nicht mehr weg zu denken, dabei sind diese Teppiche eine weit zurück reichende orientalische Tradition. Aber mit seinem hellen Grundton und dem dunklen, geometrischen Muster passt er zum schlichten skandinavischen Stil, wie die Faust auf´s Auge. Die wollige, zerzauste Optik sorgt dafür, dass Wärme ausstrahlt und dem Raum Echtheit und Struktur verleiht. Und das Wissen um die Einzigartigkeit jedes handgeknüpften Teppichs, trägt außerdem zu seinem Siegeszug bei.
Schon die großen Designer der Midcentury-Ära wussten um die Wirkung dieser Teppiche und verwendeten sie in ihren eigenen Wohnungen, kombiniert mit den von ihnen entworfenen Möbeln, wo sie mit ihrer warmen Flauschigkeit einen Kontrast zu den reduzierten Formen bildeten.

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Auch ich habe mir nun endlich den Traum erfüllt und einen Beni Ourain bei T o u d a gekauft.
Immer wieder habe ich im Shop nachgeschaut, was Sarah aus Marokko mitgebracht hat, aber lange war nicht das Richtige für mich dabei. Bis sich irgendwann die wunderbare Möglichkeit bot, einen Teppich ganz gezielt für mich anfertigen zu lassen. Durch ihre Kontakte zu den Berberfrauen im Atlasgebirge, konnte Sarah dort einen Teppich mit meinem Wunschmuster in der passenden Größe in Auftrag geben, als sie mal wieder mit ihrer Familie vor Ort war. Sarah´s Mann ist Marokkaner, genau genommen Berber, und gemeinsam führen sie seit 2010 einen Onlineshop mit wunderbaren Produkten, die sie bei Kunsthandwerkern vor Ort einkaufen. Dabei umgehen sie viele Zwischenhändler, was sicher stellt, dass die Knüpferinnen einen angemessenen Lohn für die vielen Stunden Arbeit erhalten. So oft wie möglich versuchen sie, direkt mit den Frauen zusammen zu arbeiten und reisen dafür im Atlas umher, auf der Suche nach Knüpferinnen.
Einen Beni Ourain kauft man ja nicht eben mal spontan, schon allein wegen des stolzen Preises. Da will man schon sicher sein, dass auch wirklich alles passt. Sarah hat mich sehr ausführlich und gut beraten, ich habe sehr viel über die Teppiche und den Entstehungsprozess gelernt und möchte euch gerne etwas davon weitergeben, weil ich es immer spannend finde, zu wissen, wo etwas herkommt und welche Geschichte dahinter steckt.

Hier seht ihr meinen Teppich, als er vor ein paar Monaten noch über einer Mauer im 50°C heißen Marokko hing.
Das Muster, das ich mir ausgesucht habe, ist ein sehr altes, selten überliefertes.

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Die Beni Ourain Teppiche kommen, wie schon erwähnt, aus Marokko, speziell aus dem Atlas Gebirge.
Der berühmte Name der Teppiche stammt vom Namen eines Stammes im Mittleren Atlas und bedeutet übersetzt etwa „die Kinder von Ourain“. Ourain ist ein Familienname des dort ansässigen Berberstammes.
Ursprünglich waren die Berber ein Nomadenvolk, das in Zelten lebte. Die Form der Teppiche entspricht der damaligen Zeltform, denn die Teppiche wurden so hergestellt, dass sie deren Boden bedeckten. In den Lehmhütten und Steinhäusern, in denen sie auch heute zum Großteil noch leben, ist der sogenannte Salon ebenfalls länglich gebaut, weshalb viele alte Teppiche sehr lang sind.
Die Herstellung ist bis heute ausschließlich Sache der Frauen, die vor großen, oft selbstgebauten, Webrahmen in ihren Hütten sitzen und an den Teppichen arbeiten. Die durch die Handarbeit unvermeidlichen Ungleichheiten im Muster geben den Teppichen ihren Charme. Jedes Muster ist einzigartig, auch wenn es im Grunde immer ähnlich ist. Manchmal knüpfen die Frauen sogar an irgendwelchen Ecken oder gleichmäßig verteilt einzelne Knoten dunkler Wolle ein als Wiedererkennungszeichen und als Zeichen seiner Einzigartigkeit. Am weitesten verbreitet ist wohl das Rautenmuster, zumindest in den westlichen Interiors.
Neben den Unregelmäßigkeiten im Muster ist auch das herstellungsbedingt einseitige Vorhandensein von Fransen ein Merkmal für die Echtheit der Teppiche.

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Die Wolle für die Teppiche stammt von den Schafen der Berber und variiert von einem eher gelblichen Ton bis hin zu reinem Wollweiß. Das Muster ist meist dunkelbraun, diese Wolle stammt vom Kopf des Schafes, nur selten wird die Wolle schwarz oder bunt eingefärbt.

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Die Berberfrauen stellen diese Teppiche natürlich nicht her, weil sie gerade angesagt sind. Die Teppiche werden von ihnen schon jeher im Alltag selbst genutzt. In den Behausungen der Einheimischen dienen die weichen, hochflorigen Teppiche als Wärmespeicher, denn in den Nächten kann es im Winter empfindlich kalt werden. Der Flor sorgt für ein Luftpolster, das wiederum für Wärme sorgt und damit als Unterlage zum Schlafen nicht nur weich, sondern auch warm ist. Da die Beni Ourain Teppiche abwechselnd gewebt und geknüpft werden, entsteht ein besonders dichter Flor.
Früher wurden die Teppiche sogar unter den Familien für Hochzeiten und andere bedeutende Feierlichkeiten ausgeliehen. Wer sich keinen Teppich aus echter Wolle leisten konnte, fertigte sie aus abgetragener Kleidung und sonstigen Stoffresten an. Kamen Freunde oder Familie zu Besuch, wurden diese Teppiche aber versteckt, um die Geldnot nicht zu zeigen.

Die Beni Ourain Teppiche gibt es sowohl als Hochflor, als auch als Niederflor. Die hochflorigen zeichnen sich durch eine besondere Weichheit, hervorgerufen durch die längeren Garnfäden. Der Niederflor ist dagegen strapazierfähiger und pflegeleichter. Sie sind außerdem für Fußbodenheizungen deutlich besser geeignet, da die Wärme bis an die Oberfläche reicht. Auch für Tierbesitzer bietet sich die niederflorige Variante an, da sich die Tiere mit den Krallen weniger in der Wolle verfangen.
Hochflorige Berberteppiche verlieren anfangs deutlich mehr Wolle, als niederflorige, was sich aber nach wiederholtem Absaugen irgendwann reduziert.

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Als ich zum ersten Mal auf den Gedanken kam, einen Teppich für´s Wohnzimmer anzuschaffen, habe ich natürlich auch überlegt, ob das bei einem Boden wie unserem überhaupt Sinn macht. Zum einen hat der Teppich ja fast die gleiche Farbe, wie der Holzboden. Zum anderen überdeckt er ja einen nicht unerheblichen Teil des Holzes, das ich ja aber auch wunderschön finde. Dennoch wurde ich das Gefühl nicht los, dass der Sofaecke ein Teppich fehlte. Nicht in erster Linie, weil es kuschliger für die Füße ist, sondern vielmehr als Abgrenzung des Sitzbereiches zum übrigen Raum. Dadurch, dass das gesamte untere Stockwerk offen ist und sich Flur, Küche, Essbereich und Wohnzimmer also in einem großen Raum befinden, verspürte ich das Bedürfnis, eine optische Trennung der Bereiche zu schaffen.
Als der Teppich dann ankam, handlich zusammengefaltet in einem normalen Paket, bestätigte sich meine Vermutung, dass der Teppich genau das war, was der Sitzecke gefehlt hatte. Das Sofa, die Sessel und der Couchtisch „hingen“ bisher lose im Raum und werden jetzt dank des Teppichs zu einer Einheit zusammen gefasst.
Hier seht ihr den Vergleich an einem etwas älteren Wohnzimmerbild und einem aktuellen mit Teppich.

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Um die gewünschte Wirkung mit einem Teppich zu erzielen, sollte man sich vorab Gedanken über die Größe machen, die natürlich mit der Raumgröße zusammen hängt. Ein zu großer Teppich kann schnell zu wuchtig wirken, ein zu kleiner verschwindet schnell, wenn noch ein Couchtisch darauf steht. Für ein Wohnzimmer unserer Größe ist ein Teppich mit den Maßen 230x170cm genau richtig.
Der Teppich wirkt auch unterschiedlich, je nachdem, wie man ihn platziert. Um das Wohnzimmer optisch zu vergrößern und die Sitzecke nicht zu kompakt wirken zu lassen, sollte der Teppich einen kleinen Abstand zum Sofa haben und nur der Couchtisch vollständig darauf stehen. Würde man alle Sitzgelegenheiten mit den Vorderfüßen darauf stellen, würde die Gruppe zu gedrängt wirken.

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Einige Mütter werden wahrscheinlich beim Anblick eines hellen Teppichs in einem Haushalt mit Kleinkind die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Aber ich sehe nicht ein, warum ich meine Einrichtung nach eventuellen Gefahren durch ein Kind ausrichten sollte. Wir haben ja auch ein helles Sofa, das auch nach 2 1/2 Jahren noch hell und fleckenfrei ist und die Waldmöwe kennt die Regeln für´s Wohnzimmer. Vor kurzem stand ich mit einem Brot in der Hand hinter dem Sessel, da rief sie mir sofort vom Esstisch aus zu: „Mama, du sollst nicht im Wohnzimmer essen!“. Sie hat also ganz genau verstanden, was Sache ist und wird darauf achten, dass sich auch wirklich jeder daran hält. Vor allem natürlich alle anderen.
Klar bin ich froh, dass sie den Himbeersmoothie vor ein paar Monaten ins Ankleidezimmer erbrochen hat und nicht auf den Teppich. Aber im schlimmsten Fall kann man diesen auch waschen. Das ist zwar aufwendig, aber nicht unmöglich.
Mein Teppich ist übrigens noch ungewaschen. Normalerweise passiert das direkt nach der Herstellung noch vor Ort in Marokko, aber damit ich ihn schneller bekomme und er nicht eventuell durch falsches Waschmittel strapaziert wird, habe ich ihn ungewaschen bekommen. Nächsten Sommer werde ich den Versuch unternehmen, ihn selbst zu waschen. Das führt dazu, dass er ein wenig fransiger wird. Ich werde dann natürlich hier darüber berichten.

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Der Teppich liegt nun schon einige Wochen hier im Wohnzimmer und ich bin hoch zufrieden damit! Die Qualität ist wunderbar. Man sieht keine Laufspuren und auch die Abdrücke des Couchtisches lassen sich einfach „verwuscheln“, wenn man den Tisch verschiebt. Mein Mann meinte anfangs ganz entgeistert, dass da ja Stroh drin stecke. Aber so ist das nun mal, wenn ein Teppich so richtig echt aus dem Atlas direkt zu einem nach Hause kommt.
Dass es so lange gedauert hat, bis ich euch den Teppich hier endlich zeige, hat übrigens nur einen Grund – das lange Aufräumen vor dem Shooting ;D
Und bald will ich euch auch noch den ganzen Wohnbereich mit Vorher-Naher Bilder zeigen, da muss ich noch viel mehr aufräumen…

Die Bilder aus Marokko stammen von Sarah, die übrigens nicht nur den tollen Onlineshop
T o u d a führt, sondern auch einen wunderschönen Blog schreibt, auf dem sie ihre Leser immer wieder mit in ihre Wahlheimat nimmt. Sie zeigt auf JenMuna die wilde, raue Natur des Landes und das einfache Leben seiner Bewohner. Ich habe mir Marokko immer als armes, karges Land vorgestellt, aber Dank Sarah´s Berichten, weiß ich nun, wie schön es dort sein kann. Zarte Blumen auf felsigem Grund, üppige Feigen-und Olivenbäume und Sonnenuntergänge über grünen Hügeln.
Wenn ihr euch ein wenig orientalisches Flair nach Hause holen wollt, ohne gleich ein kleines Vermögen für einen Teppich auszugeben, findet ihr bei Touda bestimmt auch etwas Passendes. Seien es Korbtaschen, Lederschläppchen oder Keramik – mit wenigen Accessoires könnt ihr ganz leicht einen Hauch Exotic in eure Einrichtung bringen. Als kleines Vorweihnachtsgeschenk hat Sarah einen Rabattcode für euch eingerichtet: mit happyheimatbaum15 bekommt ihr 15% Rabatt – und das zeitlich unbegrenzt! Knaller, oder?

6 Kommentare

  1. Der Beni macht sich super in deinem Wohnzimmer! Auf meiner Wunschliste steht auch schon länger einer aber bisher ergab sich noch nicht die Gelegenheit. Nächsten Samstag ist erstmal eine (weiße) Couch dran 😉 Für die Pläne wurde ich auch erst letztes Wochenende von einer jungen Mutter ausgelacht, aber ich sehe es ähnlich wie du.

    Beste Grüße, Nora

  2. Kerstin Bäcker

    Ich weiß nicht on ich es überlesen habe, aber wie groß ist dein Teppich?

  3. Wunderschön dein Teppich, sieht richtig nobel aus. Auch ich habe mir einen Beni Ourain gekauft, allerdings recht spontan in Marokko. Trotzdem bin ich sehr glücklich damit. Meiner fusselt nur leider ziemlich stark. Dafür sieht er mega-schön aus.
    Ein schönes Wochenende 🙂

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