To-Do-Listen-Leichen

to do listeBildquelle Notizpapier

Ich habe keine Leichen im Keller.
Ich habe Leichen auf meiner To-Do-Liste.
Dinge, die da zum Teil schon jahrelang stehen und auf Erledigung warten. Aber immer wieder kommt Neues hinzu, ohne dass Altes erledigt wird.
Besonders unangenehm ist das bei Punkten, die mit anderen zu tun haben. Dinge, die ich eigentlich für andere machen will, die aber warten müssen, weil Anderes wichtiger ist. Oder scheint.
Alles was mit der Waldmöwe zu tun hat, hat sich auf der Liste rücksichtslos vorgedrängelt. Lauter neue Sachen, die die To-Do-Listen-Stammkunden verdrängen und vielleicht dafür sorgen, dass sie zu Leichen werden.
Aber wenn die Kleine erst mal da ist, wird für vieles keine Zeit mehr sein. Die freie Mutterschutz-Zeit vergeht wie im Flug. Einiges habe ich erledigt, aber das meiste wird auf der Liste verrotten. Bis ich irgendwann einsehe, dass das nichts mehr wird und es seufzend streiche.
Warum kommt es überhaupt dazu, dass manche Punkte nie erledigt werden?
Unsicherheit ist einer der Hauptpunkte bei mir. Bei manchen Dingen weiß ich einfach nicht, wie ich sie anpacken soll. Oder ich befürchte, dass es nicht klappt, wie ich es mir vorstelle. Das ist besonders bei allem, was mit Nähen zu tun hat der Fall. Ich kann es nicht gut und schon beim Stoffzuschneiden befürchte ich, alles falsch zu machen.
Immer habe ich das Ergebnis vor Augen, aber der Weg dahin ist mir meist unklar.
Manchmal fehlt auch einfach eine Kleinigkeit und dann kommt alles ins Stocken. Ein 3mm Bohrer. Tafelfarbe. Ich nehme mir vor, beim nächsten Baumarkteinkauf Tafelfarbe zu kaufen und was vergesse ich? Natürlich, die Tafelfarbe.

Eine Woche bleibt mir noch um lose Zettelrezepte endlich in ein Buch zu übertragen. Das Moleskine-Notizbuch dafür steht schon seit zwei Jahren im Regal. Oder um meinen Federschmuck endlich fertig zu machen. Um die Reiseberichte über Neuseeland endlich abzuschließen. Einmachgläser zu beschriften. Sachen auf dem Flohmarkt zu verkaufen. Mehrere Holzkisten herzurichten. Der Puppe für die Kleine ein Kleidchen zu nähen.
Eigentlich alles nicht wichtig. Nicht wirklich. Aber es sitzt mir im Nacken und nervt mich. Das Meiste davon wird aber irgendwann unerledigt verstummen und sich in die lange Reihe der bereits bestehenden To-Do-Listen-Leichen einreihen.
Trotz Batman´s Ermutigung.

13 Kommentare

  1. Eine Woche noch, das dachte ich auch, vor fast zwei Jahren. Ich hatte solche Angst davor, dass ich dahocken würde und Däumchen drehen, dass ich frest damit rechnete, mein Waldblümchen (Hei wir haben ja beide Waldkinder, ähm, also in einer Woche!) käme zu spät. Und nahm mir viel vor um ja nicht Däumchen drehen zu müssen. Und was war? Sie liess uns nicht warten und kam früher (sogar noch vor den Prüfungen). Und es war wunderbar. Und die Wickeltischauflagenleiche wurde immerhin zum ersten Geburtstag wiederbelebt…
    Wenn Dein Vögelein da ist geht das Leben doch weiter! Ach wie schön, so bald. Und alles unwichtige wird nichtg. Und darf trotzdem noch gemacht werden. Aber schnell geht es, da will sie machen. Und dann gibt es wirklich nix wichtigeres mehr als Pusteblumen anpusten, Fahrtwind im Haar spüren, Steinchen ins Wasser werfen. Aber wie Du es schon beschreibst, die Dinge auf der Liste entwickeln doch ihre eigene Dynamik. Rutschen in den Keller oder drängen sich auf. Oder lösen sich auf. Im Wandel ist die Liste, so wie wir es sind, mit unseren Gedanken, dem Leben. Wundervoll wundervoll.
    Allesallesalles Gute liebe Freundin. Du bist großartig.

  2. Es ist nicht wichtig, dass die Liste jemals leer wird. Es ist wichtig, dass du die Aufgaben von deinem Kopf auf Papier oder sonstwo hin verbannst und nach Priorität abarbeitest. Weniger wichtige Dinge stehen dann möglicherweise ewig auf der Liste. Aber vielleicht auch zurecht.

    Viele Grüße
    Florian

    • pepper

      Leider sind die Sachen ja dann nicht weg aus dem Kopf. Und das Problem ist, dass die Sachen erledigt werden müssen/sollen, ich aber nicht weiß, wie ich es anpacken soll. Zum Beispiel die alte Holzkiste, die auf dem Balkon steht. Die will ich sauber machen, auch von innen. Aber ich weiß nicht, wie ich das ohne Gartenschlauch ordentlich hinbekommen soll auf dem winzig-Balkon. Und weil ich für das Problem keine gescheite Lösung hab, schieb ich das dauernd auf.

  3. Um es mal öffentlich zu machen: Wenn man ein Baby bekommt, ist das Leben nicht vorbei. 🙂
    Ehrlichgesagt hat es mir ungeahnte zeitliche Freiräume verschafft, denn der kleine Wurm schläft die ersten Monate ja unheimlich viel und dann hat man die Hände bestenfalls frei für alles was sich in Babyhörweite – oder mit Tragetuch vor dem Bauch – erledigen lässt. Und was das alles sein kann, davon macht man sich davor keine Vorstellung. Baby umschnallen und dann alles erledigen was muss – Baby schläft seelig. O.K., alles am Tisch ist schwierig, weil die Distanz zu Tisch (und Tastatur) größer wird, aber die Arme wachsen bei Müttern, echt jetzt. 😉
    Nie hatte ich mehr Freiraum als mit kleinem Baby. Nutze die Möglichkeiten. 🙂

    Herzlich, Katja

    • pepper

      Man weiß halt nie, was für eine Art Kind da rauskommt. Und so Einiges von dem, was ich noch erledigen muss, hat mit einer Schleifmaschine zu tun. Das stell ich mir irgendwie schwierig vor.
      Ich kann´s mir wirklich nicht vorstellen, wie das wird, mit Baby. In Erwartung großen Zeitmangels habe ich also Ravioli gekauft, meine Nägel ultrakurz geschnitten und etwa 15 Blog-Artikel vorbereitet. Für alle Fälle.
      Aber das mit dem Leichen-Problem ist ja nicht erst so, seit ich schwanger bin. Ich hab da echt Sachen, die sind schon mehrere Jahre alt.

  4. Liebe Pepper, wie auch du bin ich seit vielen Jahren To-Do-Listen-Totengräberin! Es gibt Phasen, da läuft es gut, es gibt Phasen, da läuft garnix. Kopierte Prüfungsliteratur binden lassen steht z.B. schon seit November 2010 auf der ultimativen To-Do-Liste. Ich mach es einfach nicht. Inzwischen glaube ich, es ist einfach im Moment (ok, ist halt ein seeeehr langer Moment) nicht so wichtig für mich. Und ich glaube, es wird der Tag kommen, der richtige, und dann mache ich es! Es ist ja nicht so, dass ich in der Zwischenzeit nichts tue – bei dir ja wohl auch nicht! Das fatale ist doch, wenn wir zur Geisel unserer eigenen Listen werden und uns selbst beschimpfen, weil wir Dinge nicht erledigt haben, die uns im Moment gar nicht soooo wichtig sind, jedenfalls nicht wichtiger als andere Dinge, die wir stattdessen machen!! Janosch hat mal vorgeschlagen, die To-Do-Liste nachher zu schreiben – also alle Aktivitäten des Tages am Abend erst aufschreiben und fett durchstreichen! Und staunen, wie viel man geschafft hat!
    Grüner Spargel stand noch nie auf meiner Liste – und ich hab ihn trotzdem gemacht. Mit Nudeln und Rucola-Pesto! Ein Traum! Rezept folgt in den kommenden Tagen auf meiner Seite!
    Liebe Grüße! Liz

    • pepper

      Das mit dem Spargel kommt bei mir daher, dass ich erst letztes Jahr entdeckt hab, dass mir grüner Spargel schmeckt. Das Licht ging mir aber erst zum Ende der Spargelsaison auf und da war kein Grüner mehr aufzutreiben. Deshalb hab ich jetzt ein Jahr lang darauf gewartet, endlich mal was damit zu kochen.
      Das Rezept kommt nächste Woche.

  5. Ach ja, das kenne ich auch. Diese Aufschieberittis von Dingen, die einem mal mehr mal weniger bewusst im Nacken sitzen. Mir wird manchmal sogar ein bisschen schlecht, wenn ich die langen toten Listen anschaue. Nicht bezwingbare Listen so kommt es mir dann vor. Und zusätzlich noch die anderen Aufgaben, die nur in meinem Kopf herumspuken und es noch auf keinen Zettel geschafft haben. Diese Woche habe ich einen Versuch gestartet. Ich habe eine Liste mit zwei angenehmen und zwei unangenehmen Sachen geschrieben, die ich erledigen muss. Vier Dinge scheinen machbarer zu sein und vielleicht traue ich mich dann endlich, sie einfach anzupacken. Eine Versicherung abschließen zum Beispiel. Ob das funktioniert werde ich sehen. Ich wünsche dir viel Mut und Power für die letzte Woche mit Kugelbauch und hoffe, du kannst noch ein paar Dinge endgültig ad acta legen.
    Liebste Grüße, Eva

  6. Das ist der Nestbautrieb 🙂 Da hat man lauter Dinge im Kopf, die man vorher unbedingt erledigt haben will.

    Ich finds anstrengend, hat mich sogar den Keller aufräumen lassen. *absurd*

    LG

    • pepper

      Kann schon sein, aber das geht mir schon immer so, nicht erst seit ich schwanger bin. Wie gesagt, manche Punkte sind schon zwei Jahre alt.

  7. Hei Pepper,
    ich hab mir überlegt, dass das simplify Prinzip da gut wär. D.h. alles was länger als ein Jahr draufsteht wird gestrichten.
    Gruß!
    PS: Warte schon auf ein „Fruchtblase ist geplatz“ Tweet!

    • pepper

      Stimmt, das müsste man da auch mal anwenden. Obwohl ich’s ja bei den Klamotten auch nicht über’s Herz bringe…
      Du kriegst nicht nur einen Tweet, wenn die Fruchtblase platzt, du bekommst ganz exklusiv eine SMS 🙂

Yea, ein Kommentar! Ich freu mich!