Vom Wünschen und Schenken

Geschenkwünsche sind ja immer so eine Sache – manche halten sich dran, andere haben da ihre ganz eigenen Ideen. Ich muss sagen, dass ich bisher ziemlich glimpflich davon gekommen bin, was das Beschenktwerden angeht. Außer meiner Oma Rosi hat mir eigentlich noch niemand etwas Merkwürdiges geschenkt. Das wohl am wenigsten passende Geschenk war dabei ein Teelichthalter aus Keramik in Form eines gold glitzernden Apfels.
Eins der schönsten Geschenke, die ich bekommen habe, war als Kind das Puppenhaus aus Holz, das mein Opa gebaut hatte. Meine Eltern haben es komplett mit Playmobil eingerichtet und wir haben natürlich alles aufbewahrt und nächstes Jahr wird wohl die Waldmöwe dieses Haus zu Weihnachten bekommen.

Um dem Geschenkewahnsinn und dem viel bejammerten Vorweihnachtsstress einzudämmen, haben wir in der Familie irgendwann beschlossen, zu wichteln. Jeder schreibt einen Wunschzettel mit drei Wünschen in einem vorher festgelegten Preisrahmen und dann zieht jeder einen Umschlag und besorgt eines der Geschenke die darin aufgelistet sind. So bekommt jeder ein Geschenk und muss auch nur eines kaufen. Es bleibt ein wenig Überraschung, weil man ja nicht weiß, welches von den dreien man bekommt, aber man ist niemals enttäuscht, weil man mit etwas Unpassendem beschenkt wird.

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Bei Pettersson und Findus habe ich kürzlich gesehen, dass Findus einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann geschrieben und diesen in einen Schneeball gesteckt hat. Dann hat er diesen in ein Iglu mit einer Kerze gelegt und am nächsten Tag war natürlich alles weg – der Weihnachtsmann hatte den Zettel abgeholt. Natürlich ist er in Wirklichkeit verbrannt, aber die Idee finde ich irgendwie süß. Allerdings werde ich der Waldmöwe nie vom Weihnachtsmann erzählen – sie soll wissen, dass die Geschenke von ihren Eltern kommen und ihre Wünsche an uns adressieren.

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In den letzten Jahren widerstrebt es mir immer mehr, mich beschenken zu lassen und Geschenke zu kaufen. Klar mache ich anderen gerne eine Freude, aber ich will mich dabei eher wieder auf die kindliche Praxis der selbsterstellten Geschenke besinnen. Ein selbst genähtes Kirschkernkissen mit Namensstickerei, selbst gestaltete Karten, ein eigenhändig geschnitztes Schneidebrett. Oder eine Einladung zum Krimi Dinner. Und wenn doch etwas gekauftes, dann Second Hand. Flohmarktschätze.
Zum letzten Advent habe ich der Waldmöwe einen Adventskalender mit Kleinigkeiten vom Flohmarkt befüllt. Nun ist sie 2 1/2 und die Spielsachen häufen sich. Ich bringe es dieses Jahr nicht über mich, alle Türchen mit Materiellem zu füllen. Die Adventssonntage müssen reichen. Für den Rest habe ich andere Pläne.

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In Speyer gibt es einen Sportladen namens Sakul, der letztes Weihnachten eine wunderbare Aktion organisiert hat. Im Laden wurde ein Baum aufgestellt, an dem die Wünsche vieler bedürftiger Kinder aus der Stadt hingen. Auf einem stand: „ich wünsche mir das lila Kuscheltier.“ Man konnte sich einen Wunsch mitnehmen, das Geschenk besorgen und im Laden abgeben. Dort durften die Kinder die Geschenke dann abholen. Die Idee kam so gut an, dass gar nicht genug Wunschzettel für alle Interessenten am Baum hingen. Mein Weihnachtswunsch wäre, dass diesem Beispiel viele folgen und ähnliche Aktionen ins Leben rufen.
Einige Firmen starten in der Weihnachtszeit ebenfalls Kampagnen, die gute Zwecke unterstützen. Die Firma Pilot Pen {Kooperation}, von der die Stifte sind, mit denen ich die Karten gestaltet habe, hat die Aktion „Join the Movement“ ins Leben gerufen. Jeder kann auf der Homepage seine handgeschriebene Wunschliste hochladen und ein Wochenende in Hamburg, München oder Berlin gewinnen. Pro Beitrag spendet das Unternehmen 50 Cent für den Verein „Kinderlachen“ e.V., der ebenfalls dafür sorgt, dass die Weihnachtswünsche bedürftiger Kinder erfüllt werden können. Für die Teilnehmer ist das natürlich kostenlos, ich habe auch schon mitgemacht.

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Die Waldmöwe hat für dieses Weihnachten eigentlich nur einen großen Wunsch: ein Schaukelpferd. Wird irgendwo das Wort Weihnachten erwähnt, ruft sie sofort dazwischen: „Da bekomme ich ein Schaukelpferd!!!“ Natürlich bekommt sie eins. Aber wie wird das mal, wenn sie nicht bekommt, was sie sich wünscht? Wir geht ein Kind damit um? Und ich als Mutter?
Irgendwann wird sie von den anderen mitbekommen, was die immer an Ostern, Nikolaus, zur Konfirmation und weiß der Kuckuck was noch alles, geschenkt bekommen. Hoffentlich kann ich ihr meine Denkweise in dieser Hinsicht so vermitteln, dass sie sich auch selbst damit identifizieren kann. Selbst für mich, die ich erkannt habe, dass dieses Hin und Her schenken immer wieder nur neuen Kram anhäuft, ist das nicht leicht. Mir gefällt Vieles und ich kann schönen Dingen nur schwer widerstehen. Und das muss ich ja auch nicht immer. Aber was unbedingt sein muss, ist Dinge wegzugeben, wenn Neues dazu kommt. Und wenn ich dazu bereit bin, dann kann ich mir auch Sachen wünschen, auf die Gefahr hin, dass ich sie auch wirklich bekomme…

6 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Beitrag, liebe Pepper, und er spricht mir voll und ganz aus der Seele. Ich hoffe, dass weitere Menschen in sich gehen und dem Konsumterror den Kampf ansagen. Weihnachten geht es um ganz andere Dinge, die wichtig sind. Bedürftige Kinder zu beschenken ist großartig. Und ihre Wünsche sind oft so bescheiden. Solch einen Wunsch zu erfüllen, geht viel mehr an den eigentlichen Sinn des Weihnachtsfestes heran. Ich beschenke auch seit Jahren einen armen Menschen.

  2. Ich kann mich dem Kommentar von Heidi nur anschließen. Es wäre schön, wenn sich mehr Menschen damit auseinander setzen würden. Wir wichteln in der Familie ebenfalls, damit das Hin- und Hergeschenke nicht überhand nimmt.

  3. Liebe Pepper,
    auch mir schreibst Du komplett aus der Seele. Der Konsumwahnsinn erschreckt mich immer wieder aufs neue. Ich glaube, das wird schon gelingen, der Waldmöwe die Werte so zu vermitteln, denn Du lebst sie ihr ja vor. Und das ist meines Erachtens das Entscheidende dabei. Sie wird auch lernen, dass sich nicht jeder Wunsch erfüllt, schon gar nicht sofort.

    Meine Eltern hatten nicht viel Geld damals in meiner Kindheit. Ich habe früh verstanden, dass ich nicht alles haben kann und warum. Ich habe dann früh angefangen, mir ein bisschen Geld zu verdienen. Dadurch wusste ich den Wert sowohl des Geldes als auch von Dingen früh zu schätzen. Das kommt mir heute noch zugute. Ich kann sparen und ich kann mir Sachen gönnen und mich an ihnen erfreuen.

    Du machst das schon richtig so, ich finde das wunderbar.

    Liebe Grüße
    Birgit

    • Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Ich hab auch mit 13 angefangen mit Zeitungaustragen Geld zu verdienen und habe ab dem Zeitpunkt kein Taschengeld von meinen Eltern mehr gewollt.

  4. Ein ganz toller Beitrag!
    Ich kann nur wiederholen: Du schreibst mir aus der Seele! Wir wichteln auch seit einigen Jahren in der Familie inkl vorgegebenem Preisrahmen. Dennoch freue ich mich viel mehr über etwas selbst gemachtes. Ich finde es so viel wichtiger sich auf das Wesentliche zu besinnen und die gemeinsame Zeit zu genießen. Nicht nur an Weihnachten. Wir haben übrigens auch nicht zu jeder Gelegenheit Geschenke bekommen, und das war nie ein Problem. Also alles gut, immer weiter so!

Yea, ein Kommentar! Ich freu mich!