Bloggen mit Baby – gar nicht so einfach

So langsam neigen sich die Artikel, die ich kurz vor der Geburt vorbereitet habe dem Ende zu. Ich hatte über 20 Artikel vorbereitet, damit ich mich selbst in den ersten Monaten nicht zu sehr unter Druck setze. Aber jetzt kommt immer öfter der Gedanke auf “eigentlich müsste ich mal wieder ein paar Bilder machen und Artikel schreiben”.
Kein Problem, ich bin ja den ganzen Tag zu Hause und so ein Baby schläft ja die ganze Zeit. Hahahahah.

Ein Tag mit Baby-5

Nachts schläft sie tatsächlich und zwar von 22 Uhr bis 5 Uhr. Aber ich schlafe in diesem Zeitraum für gewöhnlich auch und das sehr gerne. Bis in den frühen Morgen hinein zu schreiben kommt also nicht in Frage.
Wir wachen also um 5 Uhr oder 6 Uhr auf, die Kleine wird gestillt und frisch gemacht und wir legen uns nochmal zusammen hin, bis der DHL-Fahrer uns aus dem Schlaf schrillt. Der gute Mann scheint allerdings unseren Stillrhytmus zu kennen, er kommt nämlich immer kurz vor der nächsten Mahlzeit, also zwischen 9 und 10 Uhr. Wunderbar, wenn der Tag schon so planmäßig beginnt! Die Waldmöwe wird also wieder gestillt, nachdem ich Pakete für das gesamte Haus angenommen habe, wird wieder frischgemacht und dann muss sie natürlich noch aufstoßen und ein Bisschen rumspucken, gerne auch auf ihre Kleidung. Sie wird also umgezogen und auf das Sofa gelegt. Nachdem sie einen ordentlichen Spuckefleck auf der Krabbeldecke platziert hat, schaffe ich es, mir einen Kaffee zu kochen und eine Banane in meinen Naturjoghurt zu schnippeln.

Ein Tag mit Baby-4

Während dem Frühstücken wird der Schnuller gefühlte 100 mal rausgespuckt.
Irgendwann fällt sie endlich in einen leichten Schlaf.

Ein Tag mit Baby

Ein Tag mit Baby-2

Jetzt kann ich mal wieder ein paar Einrichtungsbilder machen. So viele neue Sachen und Ideen, die ich zeigen möchte…

Hm. Im Moment kann ich nur zeigen, wie toll die allgegenwärtigen Spucktüchern zur Einrichtung passen. Also schnell noch aufräumen. Die nassen Spucktücher ins Bad. Kein Platz auf dem Badewannenwäscheständer. Also die Trockenen erst einmal abhängen. Schon wieder fast alle Tücher schmutzig! Da muss ich gleich mal die Waschmaschine einschalten. Das Waschmittel ist fast leer, gleich auf den Einkaufszettel schreiben. Wenn ich schon dabei bin, wir brauchen ja noch Lebensmittel für den Rest der Woche.

Ein Tag mit Baby-6

Vom Sofa kommt ein Quieken. Der Schnuller ist rausgefallen und sie ist davon aufgewacht. Mist. Schnuller rein, Schnuller raus, Spucken, Schnuller rein, Schnuller mit der Hand auf den Boden katapultiert. Abwaschen.
So. Jetzt noch schnell die Kommode ein bisschen aufräumen. Glückwunschkarten in die Schublade, Kinderpass in die Handtasche. Ein Kugelschreiber fällt zu Boden. Quieken vom Sofa. Schnuller rein, Schnuller raus, Schnuller rein, Schnuller raus.
Rumschlecken an der Hand. Auch gut, Hauptsache ruhig.
Ich hole die Kamera und das Stativ, die Speicherkarte steckt noch im PC. Aus dem Ruhezustand hochfahren, auswerfen.
Quieken vom Sofa. Handlutschen ist doof, der Schnuller muss her. Wildes Armgefuchtel. Schnuller rein, Schnuller raus, Spucken. Umziehen.
Zeit zum Stillen, das wird lautstark und unmißverständlich bekannt gegeben. Also wieder stillen, frischmachen, Bäuerchen, Spucken, Spucken und Spucken. Plötzlich fröhliches Gekrächze und Grinsen. Die kleine Madamme hat ihre vormittägliche Müdigkeit überwunden, ist satt und möchte jetzt unterhalten werden. Wir setzen uns also auf die Couch, singen, spielen mit der Rassel, die sie bisher nicht die Bohne interessiert und ich mache merkwürdige Geräusche und Grimassen, die sie zum Lachen bringen.
Irgendwann wird das aber auch langweilig und sie kräht nach dem Schnuller. Langsam schläft sie wieder ein, ich streiche ihr über den Kopf, weil sie das beruhigt.

schlafende Waldmöwe

Bevor ich mit den Fotos weitermachen kann, ist die Waschmaschine fertig. Die nächste Ladung in die Maschine. Die Bodys sind nämlich auch schon wieder alle schmutzig.
Ich habe Hunger und esse ein paar Vollkornkekse. Ich muss mehr trinken.
Es klingelt. Hermes – ein Paket von H&M. Neue Bodys in Größe 74.
Während ich meinen Namen auf das Gerät kritzle, schallt Gejammer durchs Treppenhaus. Das Klingeln hat sie erschreckt. Schnuller rein, Kopfstreicheln.
Ich muss auf die Toilette. Das Telefon klingelt. Die Krankenkasse braucht irgendein Formular. Ob ich das schon ausgefüllt habe. Hm, ja ich glaube schon. Ich schau mal nach und rufe zurück. 15 Minuten später finde ich den Wisch endlich. Ist schon im Umschlag und frankiert, ist dann aber irgendwie in der Wickeltasche verschwunden. Zurückrufen, Bescheid geben. Jetzt aber auf´s Klo. Ich muss mehr trinken.
Angsterfülltes Geschrei vom Sofa. Die Kleine ist vom eigenen Zucken aufgewacht und hat sich so erschreckt, dass sie Panik bekommt. Diese Anfälle hat sie seit ihrer ersten Impfung. Ich lege sie auf meinen Bauch, weil sie nicht aufhört zu schreien. Streiche ihr über den Kopf und irgendwann dösen wir beide ein.

Ein Tag mit Baby-3

Ich wache auf, mein Bein ist eingeschlafen. In Zeitlupentempo, Millimeter für Millimeter, befördere ich die Waldmöwe von meinem Bauch herunter auf das Sofa. Geschafft, sie schläft weiter.
Die Waschmaschine ist fertig. Bevor ich die Wäsche aufhängen kann, muss ich erst die Wäsche von vor zwei Tagen abhängen. Was nicht gebügelt werden muss, lege ich gleich zusammen und räume es in den Schrank. Ich ziehe meinen Mundschutz an und lüfte. Mein Heuschnupfen ist zur Zeit so stark, dass mir schon vom Stoßlüften die Nase läuft. Deshalb der Mundschutz.

Ein Tag mit Baby-7

Die Kleine wird unruhig, wacht auf und hat Hunger. Ich nehme sie auf den Arm und sie starrt mich verwirrt mit großen Augen an – Ach ja, der Mundschutz.
Stillen, frisch machen, Bäuerchen, Spucken. Natürlich nicht auf´s Spucktuch, sondern auf mein T-Shirt. Das gute Kind – tut alles um zu vermeiden, dass Langeweile aufkommt. Umziehen.
Sie lacht. Ich kann sie nicht weglegen wenn sie lacht. Wir sitzen also wieder auf der Couch, machen ein Bisschen Quatsch, ich lese ihr vor. Ich lege sie auf den Bauch, damit sie ihre Nackenmuskulatur trainiert. Sie versucht, sich zurück zu rollen und quäkt dabei. Davon muss ich ein Video machen!
Mein Mann schreibt, dass er Feierabend macht.
Sie spuckt und drückt ihr Gesicht hinein. Ich mache sie sauber und hole frische Spucktücher aus dem Bad.
Auf dem Rückweg sehe ich die Kamera auf dem Esstisch stehen. Was wollte ich nochmal fotografieren…?

20 Kommentare

  1. Ach ja, wie kommt mir das gerade bekannt vor! (Ausser die Schlafphase von 22 bis 5 Uhr.) Die Idee, dass ich beim Stillen ja ganz viel Zeit zum Lesen hätte und sich so der Blog quasi von alleine füllt, hat sich als Wunschtraum herausgestellt. Töchterlein hätte gerne ungeteilte Aufmerksamkeit und das griffbereite Spucktuch erspart zwar manchmal das Umziehen, aber so bleibt nur eine halbe Hand fürs Buch… Aber auch hier gilt: ist ja nur eine Phase 😉

    LG, Julia

  2. Oh ja, wie recht du hast – so lief es hier auch am Anfang ab, inzwischen ist es noch wuseliger geworden, denn man schafft tatsächlich am meisten, wenn die kleinen einfach nur liegen – jetzt wird sich hingesetzt, in Ecken gerobbt wo man nicht wieder wegkommt und da wirds oft schon brennslich wenn Mama nur mal 5 Minuten nicht hinguckt. Aber komm, wir schaffen das!!! 🙂

    • Das denk ich manchmal auch – gut, dass sie noch nicht alleine vorwärtskommt 🙂
      Ich plane schon, dass im Haus alles ganz uninteressant und langweilig ist. Keine Regale, keine Schränke, die man öffnen kann, nichts, was kaputt geht…
      Mal sehen, ob das klappt 🙂

  3. Bine häuser

    Großartig;-) genau soooo ist es wirklich…hab es dreimal erlebt! Allerdings war nur der zweite ein spucker, das ist wirklich die Krönung;-) durchhalten, es geht wirklich vorbei!!!
    Wenn du deinem Schatz helfen möchtest geh vor der nächsten Impfung zu einem/r homöopath/in…und oder osteopathen/in! Kann dem zwerglein helfen…auch gegen das spucken!
    Lg Bine

    • Das mit dem Osteopathen hab ich von einer Freundin auch schon gehört. Ihr Sohn hatte ein verkrampftes Zwerchfell und nach der Massage ging es deutlich besser. Ich werd da mal den Kinderarzt fragen, was der dazu meint.

  4. So herrlich geschrieben, das weckt Erinnerungen und macht mich froh, dass die Zeiten vorbei sind. Jetzt muss man sich “nur” noch mit den wechselnden Launen des fast Teenagers rumschlagen 🙂
    liebe Grüße und immer schön Spucktücher waschen,
    Dani
    P.s. Ich habe nich nie so schöne Fotos von Spucktüchern gesehen!

    • Das ist lieb von dir, danke!
      Vorm Teenie-Alter graut´s mir aber auch ein bisschen! Wenn ich dran denke, wie ich da drauf war…

  5. einen beitrag in dieser länge zu schreiben, das hätte ich im ersten halben jahr niemals geschafft. das, was du beschreibst, nur noch durchzogen von dauerbrüllen. wenn wirklich schlafen, dann bis zum ersten leisen knacksen, und seien es nur zwei minuten – das wars dann auch schon wieder. ES WIRD BESSER!

    • Oh, ich bin so froh, dass sie kaum schreit!
      Schreiben und Fotografieren kann ich zum Glück wenn mein Mann nach Hause kommt und den Schnullerlauf übernimmt. Ich bin echt froh, dass er so tolle Arbeitszeiten hat!

  6. Das hast Du sehr schön geschrieben! Das geht mir mit dem Bloggen ähnlich. Ich setze mir schon selbst laaange Fristen und trotzdem schaff ich es nicht. Unabhängig von den Fotos, brauche ich für die Texte auch die Stimmung. Und nur weil ich grad ein Zeitfenster hab, heißt das nicht auch fürs Schreiben bereit zu sein 😉
    Ich wünsche euch alles Liebe!
    Nina

    • ja, das stimmt, manchmal hat man auch einfach keine Muse sich an den PC zu setzen oder die Kamera zu schwingen. Und dann noch Bilder bearbeiten…

  7. Liebe Pepper, das ist ein sehr schöner Beitrag, danke, dass wir daran teilhaben dürfen, wie Dein Tag abläuft. Ich selbst habe leider keine Kinder, kann mir aber sehr gut vorstellen was das für ein Spagat ist. Aber ein lohnenswerter, wie man sieht. Deine kleine Maus ist so süss. Schön hast Du es hier, da komme ich gerne öfter vorbei und schau wie es Euch geht. Liebe Grüsse, Nina

    • …alles ne Frage der Balance! 🙂
      Boa – Camperinnerungsflash!

  8. Hach ja… wird auch beim 2. nicht besser 🙂 Ich freu mich schon den ganzen Tag drauf Bilder von der Kamera auf den PC zu ziehen, ein bisschen bloggen, surfen. Jetzt lieg ich mit Mini im Bett und bin selbst kurz davor zu schlafen.

  9. Ähhh – ja! Genau so ist es! 🙂 Lotta hat schon mit drei Monaten angefangen, sich rumzurollen und wollte von da an immer irgendwo hin, sich vorwärts schieben, irgendwas machen – und wenn das nicht geklappt hat (hat es natürlich nicht, wie soll es auch), war das Verzweiflungweinen groß. Oder eben einfach bei mir sein. Sie hat nie irgendwo alleine gelegen, außer, wenn sie geschlafen hat. Das hat sie allerdings meistens im Tragetuch, also…auch da war nicht viel Zeit für irgendwas, denn fotografieren funktioniert mit Kind im Tuch nur sehr eingeschränkt. Ich zumindest steig da nicht mal eben auf einen Stuhl, um eine andere Perspektive zu kriegen (jetzt mit dickem Bauch allerdings schon noch;-)).
    Meine Freundinnen, die gleichaltrige Kinder haben, konnten zu dem Zeitpunkt immer gar nicht verstehen, warum ich nichts geschafft habe – aber bei denen haben sich die Kinder auch erst mit einem halben Jahr oder noch später überhaupt bewegt und wurden doch auch einfach oft weggelegt.
    Aber ganz ehrlich – ich bin schon total geflasht, dass du 20 Posts vorbereitet hast!
    Mein Blog wird wahrscheinlich kläglich vom Bildschirm verschwinden, so ganz ohne Vorbereitung….wir werden sehen.

    Viele liebe Grüße und glaub mir, es lohnt sich einfach. An manchen Tagen merkt man das mehr (jetzt: Lotta kann richtig küssen und wenn sie mich oder den Babybauch küsst, schmelze ich nur so dahin vor Liebe), an anderen weniger.
    Und es wird auch besser! Irgendwann kommt der Tag, an dem sie ne halbe Stunde alleine ein Buch anguckt. Darauf warte ich zwar auch noch, aber ich bin optimistisch!
    Allerliebste Grüße,
    Johanna

  10. ich bin beeindruckt von deinen vorbereiteten Posts und natürlich davon, dass die MiniMöwe “durch” schläft. ein breites “du-sprichst-mir-aus-der-seele”-Grinsen und einhändige grüsse!

Yea, ein Kommentar! Ich freu mich!