Das letzte große Abenteuer der Menschheit

Seit einem Jahr sind wir nun Eltern. Noch nie hat sich in meinem Leben in so kurzer Zeit so viel geändert und noch nie war ich so erschöpft. Aber auch noch nie so fasziniert, wie von dir.
Manchmal, wenn es wieder zwei Stunden gedauert hat, dich zum Schlafen zu bringen oder ich stundenlang Bauklötze für dich gestapelt habe, wünsche ich mir ein Bisschen mehr Abenteuer in meinem Leben. Dabei bin ich doch mittendrin, im letzten großen Abenteuer der Menschheit.

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Zu sehen, wie du dich entwickelst, wie du von heute auf morgen etwas Neues kannst, das ist so spannend und aufregend! Immer mehr kommt deine eigene Persönlichkeit zum Vorschein und die scheint ziemlich frech und dickköpfig zu sein.
Als ich wenige Wochen mit dir schwanger war, habe ich von dir geträumt. Ich habe gesehen, dass du ein Mädchen bist, mit langen braunen Haaren und lebhaft wie ein Flummi. Schon im Bauch warst du eine kleine Turnerin, hast sogar einen Knoten in die Nabelschnur gemacht.

waldmöwe chalkboard

Am 07. Mai 2014, genau am errechneten Geburtstermin, haben wir uns dann kennen gelernt. Mit deinen 59cm und den vielen Haaren hast du alle zum Staunen gebracht. Am allermeisten deine Eltern. Merkwürdig war das schon, plötzlich zu dritt zu sein. Ständig für so ein hilfloses Würmchen sorgen zu müssen. Aber ich glaube, wir bekommen das bisher ganz gut hin, auch wenn wir uns manchmal fragen, ob wir vielleicht alles falsch machen.
Wir haben uns so viel vorgenommen – wir wollten keinen Schnuller, keine Wegwerfwindeln, keine gekauften Breigläschen. Aber irgendwie kam dann alles doch ganz anders. Du hast dich nur beruhigt, wenn du an einem unserer Finger nuckeln durftest, was auf Dauer zu Krämpfen im Arm und schrumpeligen Fingern führte. Ein Hoch auf den Schnuller! Das mit den Stoffwindeln hat von Anfang an nicht wirklich geklappt. Immer war alles nass und da wir dich sowiso schon ständig umziehen mussten, weil du gespuckt hast wie ein Lama, hatten wir dafür keine Nerven mehr.
Und meine mit Liebe zubereiteten Breimahlzeiten wolltest du einfach nicht essen. Ich hab alles probiert und dann schließlich frustriert zum Fertiggläschen gegriffen. Aber wehe, da sind Stückchen drin! Oder Banane! Pfui, wie kann ich dir sowas widerwärtiges überhaupt anbieten!

Mumin Geschirr BLW

Als du zwei Monate alt warst, hast du angefangen nachts bis zu 11 Stunden durchzuschlafen. Was waren wir erleichtert! Wir konnten unser Glück kaum fassen. Zwei Monate später bekamen wir die Schlüssel für unser Haus und kaum hatten wir mit der Arbeit dort angefangen, hatte die erholsame Nachtruhe ein Ende. Auch tagsüber machte dir das Hin und Her immer mehr zu schaffen und ich wünschte mir den Tag herbei, an dem wir endlich aufhören konnten, in die Wohnung zurück zu fahren.
Mitte September war es dann endlich soweit! Dein Zimmer war zwar noch eine Baustelle und wir hatten keine Küche, aber wir konnten uns endlich hier eingewöhnen. Damit dir das leichter fiel, durftest du zwischen uns beiden schlafen – das ist bis heute so geblieben. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, brauchst du sehr viel Platz zum Schlafen. Ich leider auch. Wenn du morgens aufwachst, bin ich meist noch so müde, dass ich immer wieder einschlafe. Du spielst so lange mit deinen Kuscheltieren, den Kissen oder den Vorhängen. Wenn dir das zu langweilig wird, streichelst du meine Augenlider, klatschst so lange in die Hände, bis ich aufwache, oder drückst mir ein Kissen ins Gesicht. Dann strahlst du mich an und erzählst mir irgendwelchen Kauderwelsch. Ich liebe es, den Tag so zu beginnen und du glaube ich auch.
Von Kuscheln hälst du aber leider nicht viel. Wenn du den Verdacht hast, dass wir vielleicht kuscheln wollen, legst du uns deine Stofftiere an den Hals und kicherst, wenn wir sie streicheln. Du selber schleuderst sie nur herum und beißt ihnen in die Nase.

waldmöwe im Kinderzimmer

Als du etwa 6 Monate alt warst, hast du dich bereits überall hochgezogen, dabei konntest du noch nicht einmal sitzen. Als du das dann konntest, bist du aus dem Sitzen aufgestanden, ohne dich irgendwo hochzuziehen. Du kannst seit Monaten frei stehen, bückst dich aus dem Stand, hebst schwere Gegenstände mühelos hoch, machst Kniebeugen, schiebst Stühle durchs Wohnzimmer. Seit ein paar Tagen legst du immer größere Strecken laufend zurück und wenn man mich jubeln hört, könnte man meinen, du hättest das Laufen erfunden. Hast du ja irgendwie auch. Für dich.

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Einmal in der Woche ist Oma-Tag und ich bin ehrlich gesagt immer froh, wenn ich mal ein paar Stunden für mich habe. Aber abends stehe ich dann vorm Küchenfenster und werde ganz unruhig, wenn es mal ein paar Minuten später wird als sonst. Weil ein paar Stunden ohne dich schon irgendwie lang sind und ich dich ganz schön vermisse.

Wenn ich dir etwas verbiete, krabbelst du vor lauter Wut im Kreis, schmeißt dich vor mir auf den Boden, drückst dein Gesicht auf meine Füße und schreist dabei oder wirfst mit Sachen um dich. Manchmal glaube ich, du hast eine Schraube locker. Aber das beruht wohl auf Gegenseitigkeit. Ich sehe in deinen Augen, dass du mich verstehst, aber du kannst es trotzdem nicht lassen, die Geschirrvitrine aufzumachen oder den Radiostecker herauszuziehen. Und wenn du dann auf die Finger bekommst lachst du und machst es nochmal. Und nochmal. Und nochmal. An manchen Tagen raubst du mir den letzten Nerv. Aber dann guckst du mich von unten an, lachst, kräuselst dabei die Nase und kneifst die Augen zusammen. Als wolltest du sagen ‘Hej Mama, mach dich mal locker! Reg dich nicht immer so auf, davon bekommst du nur Falten’. Da kann ich dir einfach nicht mehr böse sein.
Überhaupt, egal wie sehr ich mich manchmal über dein Verhalten ärgere – mindestens einmal am Tag denke ich, dass du das coolste, süßeste und witzigste Baby der Welt bist. Und das Gescheiteste. Und das Talentierteste. Das Beste einfach. Du bist das beste Baby für mich – und ich bin die beste Mama für dich.

Ein Tag mit Baby-3

11 Kommentare

  1. Ich war gerade ganz verzaubert und hingerissen von deinem Text.
    Dazu diese süßen passenden Bilder.
    Ich wünsche deinem kleinen Spatz einen schönen ersten Geburtstag.
    Mama hat bestimmt schon einiges vorbereitet. 😉

    *Auf dieses großes Glück was ihr gerade habt, freue ich mich auch schon.*

    Herzliche Grüße
    Heike

  2. Heute habt ihr aber sowas von zu feiern! Und jeden neuen Tag mit ihr…
    Herzlichen Glückwunsch großartige (JA!) Mama und zuckerzaubersüße Waldmöwe!

  3. Liebe Pepper, Dein Artikel ist so wunderschön wie ihn eine liebende Mama nur schreiben kann. Hier noch einmal happy Birthday zum 1jährigen. LG Nina

  4. Einfach wunderbar, du hast so recht…vor allem mit dem letzten Absatz! Jetzt beginnt unser nächstes Abenteuer, das zweite Lebensjahr mit Kind :-). Happy Birthday, Waldmöwe ♡ und alles Liebe an dich zu einem Jahr Mama-sein

  5. Das ist du so so schön geschrieben! Ich bin von deiner kleinen Waldmöwe sowieso verzaubert und dann so ein süßer Text zu eurem ersten Jahr. Hach. “Manchmal denke ich du hast eine Schraube locker.” Das denke ich von meiner Tochter auch manchmal 😉

  6. Liebe Pepper,

    alles, alles Liebe zum Geburtstag eurer zuckersüßen und wunderschönen Waldmöwe.
    Und auch für euch als Eltern alles Liebe!
    So wahr und so zauberhaft ist das hier geschrieben!
    Ich bin begeistert… Von deinen Fotos, deinen Worten…
    Hach ja, auch wir feiern bald den ersten Geburtstag…
    Und bezüglich des Geburtages: Sympathisches Datum – Mein Mann hat heute auch Geburtstag… 😉

    Liebe Grüße zu euch!
    Julia

  7. Sehr schön beschrieben! Unser kleiner Anton ist fast 10 Wochen alt… Es geht so schnell 🙁
    Herzlichst Juliane

  8. Ich hatte gerade Tränen in den Augen. Ich hoffe, irgendwann über meine Kinder genau so wunderbar verliebt, begeistert und trotzdem ehrlich reden zu können.
    Liebste Grüße und habt ein tolles Wochenende,
    Eva

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