Dielen Laugen und Seifen {Fragen und Antworten}

{Dieser Artikel enthält unbeauftragte Werbung}

Es ist nun schon einige Monate her, dass ich hier auf dem Blog davon berichtet habe, dass wir unsere Echtholzdielen gelaugt und geseift haben, wie es die Skandinavier jahrhundertelang getan haben. Seitdem bekomme ich immer wieder Mails mit Anfragen zu diesem Thema. Ich freue mich natürlich, wenn ich helfen kann und weiß auch, dass die Erfahrungsberichte im Internet gegen null tendieren. Allerdings kann ich das zeitlich einfach nicht leisten, auf jede Mail ausführlich zu antworten und auf alle Fragen einzugehen. Deshalb möchte ich euch bitten, die Fragen in den Kommentaren unter den jeweiligen Artikeln zu stellen, damit auch andere Leser meine Antworten darauf sehen können.

Ich werde hier auf ein paar Fragen eingehen, die häufiger gestellt wurden und möchte aber darauf hinweisen, dass ich kein Profi bin und alles lediglich auf unseren eigenen Erfahrungen basiert. Ich kann euch nicht dabei helfen, euren Mann von dieser Methode zu überzeugen, das müsst ihr schon selbst tun. Natürlich bieten Bodenverleger diese Methode heutzutage nicht an – und ihr würdet das auch nicht bezahlen wollen! Lest euch nochmal den Artikel mit der Schritt für Schritt Anleitung durch und dann überschlagt einmal, wieviel wohl ein Handwerker für die aufgebrachte Arbeitszeit verlangen würde. Außerdem befinden wir uns in Deutschland, dem Land der Fliesenleger und Laminatliebhaber. Das Laugen und Seifen ist eine skandinavische Methode, mit der die Deutschen absolut nichts am Hut haben. Aber ich betone noch einmal: wenn sich ein Volk mit Holz auskennt, dann die Skandinavier! Sie bauen ja sogar ihre Häuser aus Holz obwohl die Witterung dort deutlich schwieriger ist als bei uns. Die Nordvölker machen und können alles aus Holz – und auf deren Erfahrungen verlasse ich mich also gern.

Dielen Laugen und Seifen-2

{Fertig behandelter Boden im Vergleich zum Ursprungszustand}

Was kann man gegen Kratzer im Holz tun?

Nichts. Wenn man ein Problem mit Kratzern und Macken hat, sollte man sich für einen Fliesen-oder Teppichboden entscheiden. Holz ist ein weiches Material, dass auch im ‘toten’ Zustand noch arbeitet. Fugenbildung und Knackgeräusche gehören genauso zu den Begleiterscheinungen, wie Macken.
Holz altert, das ist nicht zu vermeiden. Und warum sollte man das auch wollen? Wenn man sich für einen Holzboden entscheidet, dann muss man auch den natürlichen Alterungsprozess annehmen.
Wenn ihr also Angst davor habt, dass euer Boden nach Jahrelanger Nutzung, eventuell sogar mit Kindern, nicht mehr aussieht, wie am ersten Tag, dann ist das vielleicht nicht das Richtige. Natürlich kann man den Boden alle paar Jahre gründlich abschleifen. Aber diesen Wahnsinnsaufwand möchte man ja nicht jedes Jahr auf sich nehmen.

Hast du schon mal mit Lauge nachgebessert?

Diese Frage macht so eigentlich keinen Sinn. Man bessert nicht mit Lauge nach. Das Laugen ist eine großflächige Anwendung und wenn man diese wiederholen möchte, muss zuerst durch schleifen oder intensivreinigen die Seifenschicht entfernt werden. Nur unbehandelter Boden wird gelaugt!

Kann man auch alte Dielen auf diese Art behandeln?

Ja, wenn man sie komplett abschleift. Holz, das bereits gelbstichig ist, wird durch das Laugen auch nicht mehr richtig hell. Ist das Holz aber frisch geschliffen, spielt es eigentlich keine Rolle, wie alt es ist.

Dielen Laugen und Seifen-5

Bist du nach längerer Benutzungszeit immer noch zufrieden mit dem Aussehen?

Natürlich ist der Boden nicht mehr ganz so hell und sauber, wie am ersten Tag. Aber wie oben erwähnt – das gehört nun mal dazu. Ich hatte nie die Erwartung, dass das Leben auf einem Holzboden keine Spuren hinterlassen würde – schon gar nicht mit einem Kind und einem Ofen.
Hier könnt ihr nochmal den Artikel zur Reinigung und Pflege nachlesen.

reinigung gelaugter und geseifter dielenboden-4

Muss man den Boden wirklich jeden Monat wischen?

Das sollte man, ja. Gerade im Winter, wenn sich das Holz durch die trockene Heizungsuft zusammenzieht, weil die Feuchtigkeit verdampft, ist es wichtig, das Holz zu wässern. Sonst entstehen Fugen und in unserem Fall würden eventuell sogar die Klammern heraus fallen. Natürlich ist das nicht wenig Arbeit, wir haben ja etwa 150qm Holzboden, den ich regelmäßig wische. Man muss sich eben im Voraus überlegen, ob einem der Boden das Wert ist. Bei geölten oder anderweitig versiegelten Böden mag das vielleicht anders sein, dazu kann ich nichts sagen. Bei einem so natürlichen Boden, wie wir ihn haben, empfehle ich auf jeden Fall regelmäßiges, nasses (!) Aufwischen.
Man entwickelt mit der Zeit ein Gespür für das Holz. Schon nach wenigen Monaten habe ich dem Holz angesehen, ob es gewässert werden muss. Aber um dieses Gespür zu entwickeln, muss man sich ganz auf das Wohnen mit Holz einlassen.

reinigung gelaugter und geseifter dielenboden-5

Was, wenn einem das Geseifte irgendwann nicht mehr gefällt?

Abschleifen, nochmal neu Laugen und Seifen oder Ölen. Lackieren geht natürlich auch, aber dann kann man ja auch gleich Parkett legen.

Würdest du diese Methode wieder anwenden, wenn du dich neu entscheiden müsstest?

Ja.

Sich einen echten, natürlichen Holzfußboden ins Haus zu legen, ist nicht nur eine Frage der Optik, es ist ein Lebensstil. Man muss die Eigenschaften, die Eigenheiten und die Qualität des Holzes zu schätzen wissen, um damit vollkommen zufrieden zu sein. Wenn man nur an die Kratzer und den Pflegeaufwand denkt, wird man damit nicht glücklich werden. Denn besonders die Erstbehandlung ist sehr, sehr viel Arbeit.

Ich habe inzwischen drei Artikel zu diesem Thema verfasst, die eigentlich alle Fragen beantworten sollten. Sollte doch eine Frage auftauchen, die in keinem der Artikel beantwortet wird, schreibt bitte einen Kommentar, damit alle Leser etwas von der Antwort haben. Ich biete keine individuelle Beratung per Email an! Mehr als die Infos, die ich hier auf dem Blog weiter gebe, habe ich nicht.

Infos zur Reinigung und Pflege findet ihr hier: Erfahrungsbericht nach einigen Monaten
Die Antwort auf die meistgestellten Fragen könnt ihr hier nachlesen: FAQ

18 Kommentare

  1. Liebe Pepper,

    vielen Dank erst mal für deine sehr hilfreiche Beschreibung der Lauge-und-Seifen-Anwendung und die FAQs dazu!

    Habe mir alles genau durchgelesen, aber trotzdem leider noch eine Frage, die mich umtreibt:
    Du berichtest von der offenbar ziemlich großen Ausdehnung der Dielen durch die viele Flüssigkeit (durch die Lauge? oder meinst du (auch) die Seife?).
    Mein Dielenboden ist leider schon fertig verlegt – und ich möchte eigentlich nicht am Rand eine Diele herausnehmen. Das dürfte sicher auch nur schwer möglich sein, wenn überhaupt…

    Daher also meine Frage: Muss ich wirklich befürchten, dass beim Laugen und/oder Seifen Risse im Boden entstehen?
    Kann man die Ausdehnung evtl. reduzieren, indem man die Flüssigkeit sehr behutsam aufträgt – also in mehmals nacheinander mit jeweils so wenig Flüssigkeit wie möglich?

    Ich wäre dir wahnsinnig dankbar, wenn du kurz antworten könntest – am besten natürlich mit einer Entwarnung…

    Vielen herzlichen Dank im Voraus und liebe Grüße aus Berlin!

    Christiane

    • Hallo Christiane,

      wie ein alter Dielenboden auf die Behandlung reagiert, kann ich leider nicht sagen.
      Was das Reduzieren der Ausdehnung angeht: das, was du beschreibst tut man ja ohnehin schon. Der ganze Behandlungsvorgang dauert ja mehrere Tage und das Holz wird immer wieder trocknen gelassen.
      Ich kann dir hier keine Empfehlung geben. Du wirst nur erfahren, ob es funktioniert, wenn du es probierst.

  2. Liebe Pepper, macht es Sinn die einzelnen Bretter vor der Verlegung zu behandeln? Man könnte dann praktischer abschleifen und das mit der Ausdehnung wäre somit auch egal. Oder verzieht es einem die Bretter zu stark und die passen dann nicht mehr zusammen? Lg karin

  3. Hallo Pepper,

    das mit dem laugen gefällt mir ausgesprochen gut.Wir haben in unserer Wohnung einen Deckenbalken,denkst du das das auch bei so was funktioniert,oder auch bei Naturholzmöbeln allgemein?
    Lg Sabine

  4. Hallo Pepper, wir werden unseren Dielenboden auf Lagerhölzer schrauben. Hast du eine Idee, wie sich das Holz durch den großen Feuchteintrag des Laugens dann verhält? Euer Boden mit den Klammern ist ja praktisch schwimmend. Kann sich also im ganzen ausdehnen. Was passiert wohl mit festgeschraubten Dielen… knallen womöglich die Schrauben heraus oder beschädigen das Holz? Wie machen das die Skandinavier? LG Steffi

    • Hallo Steffi,

      da ich damit keine Erfahrung habe, kann ich dir hier auch leider keine Einschätzung geben.

      Gruß
      Pepper

    • Hallo Steffi,
      hast du mittlerweile Erfahrungen gemacht? Wir haben auch einen verschraubten Boden und ich wäre jetzt erstmal optimistisch gewesen, aber tatsächlich, wenn ich so drüber nachdenken, könnte ich mir schon vorstellen, dass Schrauben fliegen oder Dielen “platzen”?!
      Liebe Grüße Pfeffi

  5. Dank euren Tipps haben wir in unserem neuen holzhaus nun schon eine sichtholzdecke und mehrere Wände gelaugt und geseift. Den Boden können wir so schon vom Schreiner kaufen. Bloß in der Küche sind wir uns unsicher. Wir haben zwei kleine Kinder und sind sicher nicht die, die sofort jeden Fleck entdecken und behandeln. Habt ihr den Boden auch in der Küche, und wenn ja, was sind eure Erfahrungen? Danke!

  6. Liebe Pepper,
    ich bräuchte dringend deinen Rat 😉 Ich saniere gerade mit meinem Freund – genau wie ihr es auch gemacht habt – eine kleine doppelhaushälfte und bin genauso wie du ein Fan von gelaugten und geseiften Böden. Nachdem ich alles in deinem tollen Blog über den Boden gelesen habe – bin ich zu „Parkett naturnah“ gefahren und habe ihn bestellt.
    Morgen können wir ihn dort abholen – ich habe mich komplett die ganze Woche mit Laugen und Seifen an Musterstücken erprobt… bin aber mit dem Ergebnis gerade sehr unzufrieden –
    Nachdem ich das Musterstück gelaugt habe und nach Trocknung mit weißer holzbodenseife behandelt habe – auch 3 mal geseift – ist es im Vergleich zum nur gelaugten im Endeffekt gelblich-grauer geworden und teilweise schimmern Streifen der Maserung grünlich-grau :(((

    Ich bin grad wirklich verzweifelt – war das bei euch auch so?
    Ist das normal oder legt sich das mit der Zeit im Seifprozess? Habe gerade wirklich Angst vor dem Ergebnis!
    Wie lange habt ihr es gelaugt und hast du es mit dem laugenwischer mit Teleskopstiel oder Flächenstreicher (Pinsel von Storch) gemacht?
    Und „schwamm“ die Lauge deckend auf dem Holz bis es eingezogen ist?

    Tut mir leid, dass ich dich grad so mit Fragen bombardiere – bin grad nur wirklich etwas verzweifelt und es ist ja auch viel Geld, falls man was falsch macht.

    Herzliche Grüße,
    Jule

    Noch eine letzte Frage: Hast du auch Erfahrung gemacht mit weißer Ölseife anstatt weißer Seife? Die wurde mir auch empfohlen von „Parkett naturnah“

    • Hallo Jule,

      also der Farbton ist schon etwas grauer, das soll ja auch so sein, man will ja den Gelbstich nicht mehr. Aber grün oder blau war bei uns nichts. Du siehst ja auf den Bildern den Vergleich, so sah es überall aus.
      Ich habe die Lauge mit dem Flächenstreicher von Storch gemacht, also auf den Knien quasi. Die Lauge wird ja nur dünn aufgetragen, also da schwimmt eigentlich nichts.
      Hast du die überschüssige Lauge abgeschliffen oder mit dem Reiniger entfernt? Wenn nicht ist das wahrscheinlich das Problem.
      Mit Ölseife habe ich keine Erfahrung gemacht. Öl hat ja einen recht hohen Glanz und das will ich nicht, ich will, dass der Boden matt bleibt.

  7. Hallo!
    Ich habe im Sommer unsere neu verlegten Kieferdielen gelaugt und geseift und würde gerne meine Erfahrungen hier teilen:
    Im ersten Raum habe ich mit Woca Weichholzlauge gearbeitet….um am nächsten Tag stundenlang auf den Knien schrubbend die Lauge bzw. die Pigmente wieder abzunehmen bevor ich Seifen konnte.
    Habe dann eine sehr gute Beratung in unserem Naturbaustoffe Geschäft bekommen und mit weniger Aufwand und Geldersparniss folgendes gemacht:

    Das Laugen:
    5Liter Nadelholzlauge von Kreidezeit mit ca. 40g Weiß-Pigmenten selber vermischt.
    Die Lauge habe ich mit einem laugenfesten Fassadenpinsel, den ich an einem Teleskopstab befestigt habe, aufgetragen. Mit einem guten Schrubber (wie die Skandinavier es übrigens auch immer machen) die Lauge „eingeschrubbt“.
    1 Liter war ausreichend für 16-20m2. Als fünf Litergebinde kostet es nur 32,90€ plus ein paar Euro für die Pigmente.
    Am nächsten Tag musste ich nichts mehr von der Lauge abwischen/schrubben, wie bei Woca, sondern konnte direkt mit dem Seifen beginnen. Ohne die Lauge noch einmal abzunehmen, habe extra noch einmal bei Kreidezeit nachgefragt.
    Ohne Weiß-Pigmente wurde das Probeholz übrigens knallgelb…

    Das Seifen:
    Für das Seifen habe ich Marseiller Seife von Kreidezeit genommen. 250g für 5€, sehr ergiebig:
    20g Marseiller Seife mit einem Liter kochendes Wasser anrühren und auch wieder kräftig in den Boden einschrubben. Habe für 16-20Liter ca. 2Liter pro Durchgang benötigt.
    Das Seifen habe ich drei Mal gemacht. Kann bis fünf Mal wiederholt werden je nach Effekt.

    Die regelmäßige Reinigung ca. 1Mal im Monat:
    Den Boden pflege ich auch mit Marseiller Seife in einem anderen Mischungsverhältnis 1Eßlöffel auf ein Liter kochendes Wasser, einfach wischen.

    Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Der mit Woca behandelte Raum hat einen leichten Grünstich im Holz, die mit Kreidezeit behandelten sind schön weiß.
    Wir finden sie nicht Fleckenanfällig und trotz zweier Kinder bisher erstaunlich robust und unempfindlich. Haben, allerdings in den anfälligsten Räumen (Bad, Küche, Flur) keine Dielen, sondern gefärbten Kork.

    Für Holzdecken die gelaugt werden sollen, ist übrigens von Woca die Paneellauge sehr zu empfehlen, da tropfarm und schon mit einem Auftrag ein sehr gutes Ergebnis. So haben wir Decken und Böden aus Kiefernholz im selben hellen Farbton hinbekommen.

  8. Engelhardt

    Hallo , vielen lieben Dank für diesen tollen Beitrag über das Seifen von Böden. Ich war sehr froh diesen gefunden zu haben, weil es mir ähnlich ging wie Dir, dass ich nichts brauchbares in deutscher Sprache gefunden hatte. Als wir letzten Sommer aus dem Schwedenurlaub kamen, war der Wunsch nach einem weiß geseiften Boden sehr groß. Mit deiner Anleitung hat es super geklappt, und unsere Dielenböden sehen toll aus und sind auch mit drei kleinen Kindern super alltagstauglich.
    Inzwischen ist es aber so, dass wir ein Haus bauen werden, und ich möchte auf keinen Fall auf Vollholzdielen verzichten. Wir haben auch vor, bei Parkett Naturnah Lärchendielen zu bestellen, kannst du uns sagen, welche Qualität ihr dort für die Dielen gewählt habt? Es gibt da ja schon Preisunterschiede. Über eine Antwort würden wir uns sehr freuen.

    Toller Blog hier werde ich noch öfter Vorbei schauen. Viele Grüße Vera

    • Hallo Vera,
      es freut mich sehr, dass ich euch mit den Berichten helfen konnte!
      Wir haben die schlechtere Qualität mit Astlöchern genommen, auch aus finanziellen Gründen. Aber ich denke, ich würde jetzt eher die bessere Qualität nehmen.

Yea, ein Kommentar! Ich freu mich!