Neuseeland // Ein Sandkasten für Riesen und ein Giftzwerg

16. März 2013

Schweren Herzens machen wir uns heute auf den Rückweg. Da das Cape Reinga sozusagen eine Sackgasse ist, fahren wir den gleichen Weg wieder zurück, nach Süden.

Cape Reinga panorama

Nicht weit entfernt vom Cape befinden sich die Riesensanddünen von Te Paki. Und das sind sie wirklich. Riesig.
Gerade kommt man von einem Ort, an dem zwei Ozeane aufeinander treffen und plötzlich steht man in der Wüste. Dreh dich um und du siehst den Dschungel. Wie schon in Whangarei erleben wir hier einen Weltensprung.

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Barfuss erklimmen wir die erste Düne. Ich rechne damit, dahinter das Meer zu sehen. Aber was ich wirklich sehe, ist Sand. Soweit das Auge reicht. Wer hat den hierher geschleppt?
Es ist einfach faszinierend, wie hier das Landschaftsbild wechselt.

Te Paki Dünen

Was ebenfalls unglaublich ist, ist übrigends der Chanel Nagellack auf meinen Zehennägeln. Seit einer Woche bin ich nun Barfuss unterwegs, am Strand, im salzigen Meerwasser, im Wald und jetzt stapfe ich hier in tiefem Dünensand herum. Der Nagellack sieht fast aus wie neu. Keine Schrammen, keine Abplatzer, keine abgestoßenen Ränder.

Auf dem Rückweg erblicke ich am Straßenrand eine Menge großer Tannenzapfen. Schon seit längerem liebäugle ich mit diesen schönen Naturstücken. Auf der Straße ist kaum was los und das dauert ja auch gar nicht lange…
STOP! HALT AN! Ich muss diese Tannenzapfen einsammeln!
Kaum hat mein Mann auf die Bremse getreten, habe ich die Tür aufgerissen und stürme zu den auf dem Boden liegenden Ästen, an denen die Zapfen noch hängen. Schnell will ich mir die schönsten abknipsen. Doch was ist das? Da tut sich ja überhaupt nichts. Ich ziehe und reiße an einem Zapfen herum. Nichts zu machen. Ich muss den Ast irgendwo dagegen schlagen um sie abzuhämmern. Das wär doch gelacht, wenn ich nicht an diese Zapfen komme!
Nach einiger Anstrengung und mehreren Kratzern sind sie endlich mein! Ich nehme auch gleich noch welche für Mama und meine Schwester mit. Ist ja noch Platz im Koffer.
Hätte ich etwas anderes werden sollen als ein Mensch, ich glaube, ich hätte ein gutes Eichhörnchen abgegeben.

Tannenzapfensammlerin

Tannenzapfensammlerin 2

Nachdem des Wahnsinns fette Beute im Camper verstaut ist, geht es weiter zum 90 Miles Beach.
Der Stand liegt parallel zur Straße, ist aber von dieser einige Kilometer entfernt. Da er aber wirklich 90 Meilen lang ist, sollte man doch eigentlich ganz einfach einen Weg dorthin finden. Sollte man meinen. Ist aber nicht so. Es gibt nur zwei Zufahrten zum Strand und wir entscheiden uns für die, die als erstes von der Straße abzweigt. Nach wenigen Kilometern geht diese Straße in eine heftige Schotterstraße über. Das Gerüttel ist so schlimm, dass wir den Camper abstellen und zu Fuß weiter gehen.
Wir laufen kilometerweit und erreichen einen Kreisel mitten im Wald. Dieser hat 4 Abzweigungen und kein einziges Schild. Rundherum Wald, man kann das Meer nicht sehen. Was nun? Wir sind schon ziemlich lange gelaufen und wenn wir uns jetzt für den falschen Weg entscheiden sind wir noch den ganzen Tag unterwegs. Schimpfend und frustriert (geht bei mir sehr schnell) machen wir uns auf den Rückweg zum Camper. Zum Glück kommt bald ein Paar im Auto vorbei, das uns mitnimmt.
Die einzige Erheiterung auf dem Weg: ein kleiner Giftzwerg am Straßenrand.

Der Giftzwerg

Bei der zweiten Abzweigung, die zum Strand führen soll, haben wir Glück. Der Weg ist kurz und wir erreichen den Strand in wenigen Minuten. Ohne Schotter und Frust. Warum nicht gleich so.

90 Miles Beach

90 miles beach panorama

90 Miles Beach 2

Durch diese unfreiwillige Wanderung haben wir viel Zeit verloren und müssen uns jetzt nach einem Campingplatz umschauen. Gegessen haben wir auch noch nichts.
Unterwegs finden wir endlich ein Takeaway, wo es Fish & Chips gibt. Seit wir in Beachlands losgefahren sind, halte ich danach Ausschau. Seit Michael erzählt hat, dass er das bei seinem ersten Neuseelandurlaub mit seinem Freund, unter einem Baum sitzend, aus Zeitungspapier gegessen hat, wusste ich: das will ich auch!
Und hier beim “Blue Dolphin” bekommen wir endlich Fisch und Pommes in Packpapier und essen am Strand.
Beobachtet werden wir von einer Horde wilder Möwen, von denen die eine nur ein Bein hat.


Wir steuern einen Campingplatz in der Nähe vom ältesten Kauri Baum Neuseelands an, allerdings müssen wir feststellen, dass dieser 11 Kilometer weiter Richtung Süden liegt. Das heißt, wir müssen morgen wieder zurück fahren um Tane Mahuta zu besichtigen. Sowas nervt mich.
Als wir den Campingplatz mitten im Wald erreichen ist es dunkel und es regnet. Noch dazu kostet der Platz 15 $. Das nervt mich auch.
Das Problem mit dem Zigeunerleben ist, dass man ja nie weiß, in welcher Gegend man sich abends befindet, deshalb kann man sich vorher keine günstigen Plätze raussuchen. Man muss einfach das nehmen, was kommt.

 

4 Kommentare

    • Und das Land ist noch um Einiges beeindruckender als die Bilder!

  1. hach, in der gegend war ich auch unterwegs. da kommen erinnerungen wieder hoch. viel zu lange ist der besuch dort schon her….
    herzliche und sehnsüchtige grüße
    die frau s.

  2. Deine Fotos sind einfach unglaublich schön! Besonders gut gefallen mir die beiden Eichhörnchenbilder mit deinem glücklichen Beute-Blick. Den kenne ich so gut von mir selber, wenn ich auf dem Flohmarkt ein unglaubliches Schnäppchen gemacht, draußen einen Wiedehopf, vor der Fähre einen Delfin, oder die perfekten Kieselsteine entdeckt habe. Der Blick macht selbst glücklich, wenn man ihn bei anderen sieht. Beuteglückblick. 🙂

    Herzlich, Katja

Yea, ein Kommentar! Ich freu mich!