Eine uralte Backsteinwand in einem neuen Haus – so geht´s!

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Ich habe euch ja schon viele Bilder von unseren Urlauben in Zeeland gezeigt und in vielen coolen Locations sorgen dort schiefe, alte Backsteinwände für dieses ganz besondere urbane Flair. Ich liebe die Cafés dort – ich mag diese rauen Backsteinwände, die alten Tische davor, die alten Holztüren und die nackten Glühbirnen, die von der Decke baumeln. Alles sieht irgendwie so lässig und gemütlich aus dort in den Niederlanden.
Nun wohnen wir aber leider in einem 95 erbauten Haus, wo nirgends auch nur ein einziger Backstein verbaut ist. Nicht mal im Garten gibt es welche. Aber der Gedanke an so eine tolle Wand in der Küche lies mich einfach nicht los.
Letztes Jahr waren wir dann in Antwerpen und wirklich in jedem Café und in den ganzen tollen Läden gab es mindestens eine abgeranzte Backsteinwand. Und da ist mir dann einfach eine Sicherung durchgebrannt. Ich beschloss, dass ich in der Küche eine solche Wand haben würde. Egal wie.
Eine Fototapete schied ziemlich schnell aus, genauso wie diese Kunststoffplatten aus dem Baumarkt. Man sieht einfach, dass das nicht echt ist. Aber ich wollte eben genau das – dieses Abgeranzte, Alte, Echte. Und dann stieß ich in Netz auf das magische Wort, das diese verrückte Idee plötzlich realisierbar machte: Ziegelriemchen!
Ich las alles darüber, schaute mir sämtliche Youtube-Videos an und verglich Angebote. Und irgendwann traute ich mich dann, meinen Mann in mein Vorhaben einzuweihen. Und zu meiner Überraschung fand er die Idee gar nicht so schlecht. Also haben wir mal wieder einfach gemacht – ohne zu wissen, ob es wirklich klappt und ob wir es genau richtig machen. Aber wenn man es nicht probiert, wird man es auch nicht herausfinden.
Und wenn ihr auch von einer solchen Backsteinwand für euer Haus träumt, erkläre ich euch jetzt ganz genau, wie das funktioniert!

Was sind Ziegelriemchen?

Ziegelriemchen sind Abschnitte von Ziegelsteinen, die nur etwa zwei Zentimeter dick sind. Um Riemchen zu erhalten, die die charakteristischen Gebrauchsspuren aufweisen, werden die Außenseiten abgeschnitten, man bekommt also pro Stein zwei Riemchen. Natürlich kann man das mit einer Flex selbst machen, allerdings darf man nicht unterschätzen, was das für eine Sauerei gibt, da Ziegel stark stauben.

Woher kommen die Ziegel?

Die Ziegel, aus denen die Riemchen geschnitten werden, stammen vom Rückbau alter Gebäude. Unsere sind etwa 150 Jahre alt und stammen aus Polen. Auf manchen Steinen sind auch alte Prägestempel zu sehen, das gibt ihnen nochmal einen ganz besonderen Charakter. Es gibt verschiedene Anbieter im Internet, die Teilweise sogar unterschiedliche Qualitäten anbieten, die Preise sind allerdings auch ziemlich verschieden. Während man die sehr rustikale Qualität mit vielen Gebrauchsspuren schon ab 35€/qm bekommt, reichen die Preise für weniger beanspruchte Riemchen bis zu 75€/qm. Ich habe natürlich nach dem günstigsten Angebot gesucht, da ich auf jeden Fall Ziegel mit sehr starken Gebrauchsspuren wollte und es mir auch egal war, ob sie im Reichsformat oder im Klosterformat sind. Bei ebay Kleinanzeigen bin ich schließlich fündig geworden. Ein Anbieter aus Polen, Herr Bartlomiejus, verkaufte den Quadratmeter für 35€. Er war sehr freundlich und die Kommunikation lief komplett auf Deutsch. Da ich die Ziegel erst bei Erhalt der Ware bezahlen musste, hatte ich auch keine Bedenken, sie dort zu bestellen, obwohl er keinen Shop oder keine Firma hatte. Der Versand war relativ teuer, wurde aber vom Anbieter selbst erledigt, damit möglichst wenig zu Bruch geht. Das heißt, ein Mitarbeiter fuhr mit einem Abschleppwagen voll Ziegelriemchen eine Tour komplett durch Deutschland und lieferte an verschiedene Kunden die Steine. Als er 22 Pakete bei uns abgeladen hatte, fuhr er mit dem Rest weiter und als ich eine Story vom Abladen bei Instagram postete, schrieb mir eine Followerin, dass die restlichen Steine für sie waren. Was für ein witziger Zufall!

Wie viel braucht man?

Das hängt neben der Wandfläche unter anderem von der Fugengröße ab. Man kann auch ohne Fugen arbeiten, braucht dann aber deutlich mehr Riemchen. Wir haben für eine Fläche von 10qm bestellt, mit einer Fugenbreite von maximal einem Zentimeter. Die Anzahl der Riemchen wurde dann vom Anbieter berechnet, und beträgt etwa 52 Stück pro Quadratmeter. Zwischendurch hatten wir ein bisschen Angst, dass es vielleicht zu knapp wird, da auch immer mal wieder gebrochene Steine dabei waren. Aber letztendlich hat es dann doch gereicht und wir haben noch ein paar übrig. Um auf Nummer Sicher zu gehen, würde ich aber mindestens einen Quadratmeter zusätzlich bestellen.

Wie werden die Riemchen an der Wand befestigt?

Zugegeben, das habe ich mir ein bisschen einfacher vorgestellt. Man braucht dafür schon ein wenig handwerkliche Begeisterung und ich bin froh, dass mein Schwiegervater uns hier mal wieder tatkräftig unterstützt hat.
Die Wand wird zunächst mit einem Haftgrund gestrichen, da der Kleber sonst eventuell nicht richtig hält. Nach dem Trocknen trägt man auf eine kleine Fläche der Wand Fliesenkleber auf. Wir haben “KaroFlex” verwendet. Man kann auch den Kleber direkt auf die Ziegel streichen, wir haben beides probiert und beides hat gut funktioniert. Das muss man einfach erstmal ausprobieren, was einem leichter von der Hand geht.
Damit die Steine einigermaßen im Wasser sind, kann man sich Hilfslinien an die Wand malen. Das wird ja dann eh überklebt, hilft aber enorm dabei, die Steine auszurichten. Es soll ja später wie eine echte Mauer aussehen und da dürfen die Steinreihen nicht auf einer Seite irgendwie schräg werden. Man muss also auch viel mit der Wasserwage arbeiten und ein bisschen puzzeln, da die Riemchen keine geraden Kanten haben. Um die Abstände gleich zu halten, haben wir mit Abstandshalter in Form von Keilen und Fliesenkreuzen gearbeitet.
Die kurzen Stücke hat Michael mit der Flex im Garten geschnitten und wir haben natürlich immer versucht, auch gebrochene Stücke zu verwerten, gerade bei den kurzen Anfängen.
Besonders friemelig wurde es um die Steckdosen herum, weil es da auch passiert ist, dass eine Doppelsteckdose mittig in einen Ziegel hinein ragte. Aber wenn man vorsichtig arbeitet, kann man das auch gut heraus schneiden.

Wie wird die Wand ausgefugt?

Das ist der Teil, der am längsten dauert und sehr mühsam ist. Eigentlich dachte ich, ich könnte die Fugenmasse mit einem Tortenspritzbeutel einfach hinein spritzen. Mit normaler Fugenmasse wäre das vielleicht auch möglich gewesen. Allerdings wird eine echte Ziegelmauer nicht mit Fugenmasse gebaut, sondern mit Mörtel. Also haben wir für die Fugen auch echten “Trass Naturstein Verlegemörtel” verwendet. Dieser ist aber zu grob, um ihn durch die Tülle zu drücken. Also habe ich den Mörtel auf eine Traufel gehäuft und mit einem 5mm Fugeneisen in die Fugen hineingedrückt. Dann muss die Masse mit den Fingern im Spalt modeliert werden, damit das Ganze sauber aussieht. Drückt man den Mörtel einfach nur hinein, sieht das ziemlich bröselig aus und ich wollte aber, dass jeder Stein von Mörtel umschlossen ist. Um das Ganze möglichst authentisch hinzubekommen, habe ich die Fugen unterschiedlich gefüllt. Mal sind die Fugen bündig mit dem Ziegel, mal stehen die Ziegel deutlich vor. An manchen Stellen habe ich den Mörtel auch leicht über die Steine geschmiert.
Das Problem bei der ganzen Sache ist, dass die feuchte Masse die Fingerkuppen aufweicht und die alkalischen Bestandteile darin die aufgequollene Haut angreifen. Deshalb musste ich nach ein paar Stunden immer wieder aufhören, damit die wunden Fingerspitzen sich ein bisschen erholen können. Mit Handschuhen hat man zu wenig Gefühl für das Material. Das ist ein bisschen wie Töpfern und das macht man ja auch nicht mit Handschuhen.

Lohnt sich der Aufwand?

JA! Ich war schon von den einzelnen Steinen begeistert, als sie noch lose vor mir lagen und jetzt, wo die beiden Wände fertig sind, bin ich so froh, dass wir es nun endlich gewagt haben, diese Idee umzusetzen!
Natürlich macht es die Küche ein bisschen dunkler und rustikaler, aber im kommenden Artikel mit den vorher/naher Bildern werdet ihr sehen, dass genau das den neuen Look der Küche ausmacht.
Jeder Ziegel hat eine andere Farbe, ein anderes Muster und andere Abnutzungen, die ich nach dem Verfugen nun alle ziemlich genau kenne. Und im Gesamten strahlt diese Mischung aus rot, gelb und rosa eine wunderbar gemütliche Wärme aus.
Man muss sich natürlich schon absolut sicher sein, dass man eine Backsteinwand haben will. Denn zum Einen ist es sehr viel Aufwand, zum anderen ist es nahezu unwiderruflich.
Was den Staub angeht, mache ich mir übrigens keine Sorgen. Die Wand wird einfach ab und zu mit dem Fön abgepustet – fertig. Das bisschen mehr Aufwand beim Putzen nehme ich für diese tollen Wände gern in Kauf!

6 Kommentare

  1. Super schön gemacht. Zu Hause könnte ich eine echt Ziegelwand freilegen aber ich glaube das ist ähnlich viel Arbeit.

  2. majaruppel

    Wunderschön! Habt ihr das auch in der Küche? Wir haben im Fotostudio eine ähnliche Wand. Ich habe damals noch mit verdünnter Kalkfarbe einige Passagen weiß getüncht sieht toll aus.
    Liebe Grüße
    Maja

  3. Hallo Pepper, ich lese schon eine ganze Zeit immer deine inspirierenden Artikel durch. Jetzt hab ich deine Beschreibung zum Verfugen gelesen und vll habe ich einen kleinen Tipp für dich. Mein Papa hat in den 80gern bei uns Zuhause so eine Backsteinwand angebracht, und um den Mörtel in die Fugen zu drücken natürlich auch das Fugeneisen verwendet. Um allerdings die Fugen auszumodelieren hat er sich eines kurzen Stückes Gartenschlauch beholfen. Natürlich hat er gleichmäßige Fügen produziert aber evtl kannst du das für dein gewünschtes Ergebnis auch nutzen.

    VG Nicole

  4. wow, jetzt wo ich den Artikel gelesen habe, hab ich noch mehr Respekt vor dieser Arbeit!! Echt krass und so so schön 🙂

Yea, ein Kommentar! Ich freu mich!