Neuseeland // Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Tür hinaus zu gehen…

…Du betrittst die Straße und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen. (Bilbo Beutlin)

12. März 2013

Es fällt uns schwer aufzubrechen. Ins Ungewisse, auf uns allein gestellt. Auf der linken Straßenseite. Aber wir raffen uns auf und beginnen unser vorrübergehendes Zigeunerleben.
Kaum verlassen wir den Hof unserer Freunde, wissen wir schon nicht mehr weiter. Das Navigationsgerät, das wir mit dem Camper bekommen haben, findet kein Signal und schweigt uns an. Wir fahren also ins Blaue hinein, bis die Navigationsdame endlich ausgeschlafen hat.
Obwohl mein Mann am Steuer sitzt, macht mir das Fahren auf der linken Seite zu schaffen. Es fühlt sich  falsch an. Aber mein Mann macht das gut. So gut, dass er am Ende die ganze Strecke fährt und ich kein einziges Mal auf dem Fahrersitz Platz nehme. Meine Aufgabe ist es, die Karte in der Hand zu halten und so zu tun, als wüsste ich, wo wir uns gerade befinden.

Route

Wir fahren Richtung Norden und kommen gut voran. Wenn wir an einem Küstenabschnitt einen schönen Strand sehen halten wir und machen Pause mit Müsliriegel und Apfel.
An einem Strand namens “Langs Beach” hält ein Paar neben uns, das mit einem alten VW Bus unterwegs ist. Sie positionieren ihn so, dass der Strand und das Meer dahinter gut zu sehen sind und machen Bilder davon. Ach, ich würde auch so gern ein Bild davon machen! Er ist cremefarben mit dunkelblau und glänzt in der Sonne. Es wäre das perfekte Vintage-Strandfoto! Aber ich bin ein Hasenfuß. Jawohl. Ich will nicht einfach Bilder von fremder Leute Autos machen, solange die fremden Leute anwesend sind. Und fragen, ob ich darf, mag ich erst recht nicht. Also steige ich ohne Foto in unseren Camper, der mir nun als das unansehnlichste Fahrzeug überhaupt erscheint und denke noch lange an das Bild, das ich hätte machen können, wenn ich nicht so ein Hasenfuß wäre…

schaukel

Am Nachmittag erreichen wir Whangarei, wo wir uns die Whangarei Falls ansehen. Am Fuß des Wasserfalls beginnt ein Wanderweg, der an einem Bach entlang durch einen dschungelartigen Wald führt. Der Pfad wird gesäumt von kräftigen Laubbäumen, exotischen Palmen, Farnen und Flechten.
Wir überqueren eine Lichtung, die sich kaum von denen zu Hause unterscheidet, öffnen ein Holzgatter und betreten einen lichtdurchfluteten Wald, der sich genausogut im Allgäu befinden könnte. Auf einer Wiese am Bachufer grasen Pferde.
Nach wenigen Minuten endet der Wald und ein anderer beginnt. Hohe Palmen halten das Licht vom Boden fern, der dicht bewachsen ist. Die Luft ist stickig, das Licht schummerig. Der schmale Pfad ist von Wurzeln durchzogen. Vögel zwitschern.
Ein Weltensprung. Als würde man durch die verschiedenen Kulissen eines Filmsets laufen.

Whangarei Falls Neuseeland

Auf dem Weg befindet sich ein Kauribaum. Kauris sind die größte heimische Baumart Neuseelands. Der Baum erkennt sofort: hier kommt eine Baumschmuserin. Wir umarmen uns wie alte Freunde.

 

IMG_7144

Nicht weit entfernt vom Wasserfall befindet sich ein Campingplatz. Da es schon recht spät ist, bleiben wir dort. Wir zahlen 16 $ pro Person und finden das teuer. Im Laufe der Reise werden wir feststellen, dass es das nicht ist.
Auf dem Platz befindet sich ein kleiner Pool, den ich nach kurzen Zehenstippen als zu kalt empfinde. Der Whirlpool dagegen genießt meine volle Aufmerksamkeit.
In der Gemeinschaftsküche bereiten wir unsere erste Dosis Ravioli zu. Solche Gemeinschaftsküchen gibt es auf vielen Campingplätzen.
Whirlpools leider nicht.

10 Kommentare

  1. oh wow das schaukelfoto ist wunderschön! die landschaft sieht toll aus und ich mag wie du sie beschrieben hast – vor allem das herrliche bilbo-zitat 🙂 bei unserem ersten uk-roadtrip durch cornwall ging es mir ganz ähnlich, der liebste fuhr in dover von der fähre und fuhr links, als wäre es das normalste der welt, im endeffekt saß ich bei all unseren bisherigen uk-roadtrips kein einziges mal am steuer sondern hab die karte übernommen 😉
    bin schon gespannt wies weitergeht, viele liebe grüße julia

  2. Superschöne Bilder! Ich schreibe eifrig mit, was sich lohnt anzuschauen 😉

    Habt ihr wirklich nur Ravioli gegessen????

    • Danke Annette!
      Wir haben auch mal Bohnen oder Fetiggerichte gegessen. Ab und zu haben wir auch was vom Imbis geholt, aber Ravioli haben wir am meisten gegessen. Das ist halt am einfachsten zu kochen auf einem Gaskocher. Und es ist günstig. Frisches Gemüse und so ist ziemlich teuer.

    • Wir wollen ja diesen Monat noch (zumindest) unseren Flug buchen und dazu müssen wir uns eine ungefähre Reiseroute überlegen, weil wir zu Beginn und Ende auf jeden Fall ein Hotel fest buchen wollen und ja eventuell nicht vom gleichen Flughafen zurück fliegen wie hin. Inzwischen haben wir uns auch schon ziemlich fest entschieden, kein Wohnmobil zu mieten, sondern ein Auto und uns dann Bed&Breakfasts oder so zu suchen.

    • Ja, das ist eine schwere Entscheidung, wie man die Route gestalten will.
      Beide Inseln zu sehen ist natürlich toll, aber es kann auch stressig sein. Da besteht die Gefahr, dass man die meiste Zeit im Auto verbringt, weil man ja möglichst viel sehen will.
      Vielleicht hilft es euch, wenn ihr in der Bücherei ein paar Bildbände ausleiht und euch überlegt, was euch landschaftlich am meisten anspricht.
      Wenn man mit dem Auto unterwegs ist kann man auch gut in Backpackerunterkünften oder Motels unterkommen. Ein Zelt würde ich auf jeden Fall mitnehmen, auf DOC Campingplätzen kann man sehr günstig, teilweise sogar umsonst, zelten.

      Wie wär´s, wenn ihr einfach mal zum Kaffee bei uns vorbeikommt? Dann können wir euch ein bisschen erzählen.

  3. Eigentlich wollte ich nur Deinen Frage-Foto-Freitag kommentieren, aber inzwischen bin ich in Neuseeland gelandet. Fernwehwunderschön!

    • Und das ist erst der Anfang! Ich hab so viele tolle Bilder, ich muss aufpassen, dass ich nicht meinen Blogspeicherplatz sprenge…

Yea, ein Kommentar! Ich freu mich!