Marmeladenbuchteln – Berliner´s kleine Schwester

Berliners kleine Schwester

Es gab zu meiner Schulzeit zwei Arten von Kindern: die, die ihr Essen von zu Hause mitbrachten und die, die sich jeden Morgen beim Bäcker etwas holen durften. Ich gehörte zur ersten Sorte. Ich weiß nicht, ob es anderen Kinder auch so ging, aber ich war oft neidisch auf die Mitschüler mit den Käselaugestangen und den süßen Teilchen. Aber es gab Tage, da war das anders rum. Und Schuld daran waren die selbst gebackenen Berliner meiner Mama.
Die braunen Teigklumpen mit leicht fettigem Glanz waren zwar weit davon entfernt wie richtige Berliner auszusehen, aber sie führten zu Gesprächen, die jeden Neid auf Bäcker-Mürbse davon fliegen ließen:

Was isst du da?
Einen Berliner.
Bist du sicher?
Ja.
Solche Berliner hab ich ja noch nie gesehen.
Die gibt´s auch nur von meiner Mama. Die hat sie selber gemacht.
In Echt jetzt?
Ja, in Echt.
Boa! Meine Mama backt nie was.
Meine schon. Da ist sogar Marmelade drin (verschmiertes Grinsen)
Oh, so eine Mutter hätt ich auch gern!

Ja, so eine Mama wie meine wär im Laden sofort ausverkauft.
Heute ist mir klar, dass vielleicht nicht immer Wohlstand der Grund dafür ist, dass manche Kinder ihr Essen beim Bäcker holen, sondern weil ihre Mütter nicht backen. Oder weil es ihnen egal ist, was ihre Kinder in der Schule essen. Oder weil es einfach schneller geht.
Egal warum, darauf neidisch zu sein ist kindisch. Aber erklär´ das mal dem Kind mit dem Butterbrot und der Karotte.

Weil ich einmal eine backende Mama sein will, übe ich schon fleißig.
Eigentlich wollte ich mich an den klassischen frittierten Berlinern versuchen, aber dann habe ich mich doch für eine weniger fettige Alternative entschieden:
Buchteln mit Marmeldenfüllung.

zutaten 2

Die Hefe mit der leicht erwärmten Milch verrühren. Mehl, Butter, Zucker, Salz und Ei dazu geben und zu einem glatten Teig kneten (im Thermomix 2min /Knetstufe). Den Teig an einem warmen Ort so lange gehen lassen, bis sich sein Volumen verdoppelt hat (ca. 30-45 min).
Anschließend den Teig nochmal durchkneten und zu einer Rolle formen. Davon gleich große Scheiben abschneiden und platt drücken.
Einen Klecks Marmelade darauf geben und die Teig-Enden zusammendrücken, so, dass eine kleine Kugel entsteht.
Die Buchteln in eine gut gefettete Form, mit der zusammengedrückten Seite nach unten, setzen.
Nochmal ca. 20 min gehen lassen, dann die restliche Butter schmelzen und die Buchteln damit großzügig bepinseln.
Im vorgeheizten Backofen bei 180° Umluft 30-40 min backen.
Nach dem Abkühlen mit reichlich Puderzucker bestäuben.


Ich hoffe, meine Kinder freuen sich darüber später genauso, wie ich mich über die Berliner meiner Mama.

Habt ihr euer Pausenbrot früher beim Bäcker geholt? Oder habt ihr was von zu Hause mitgebracht?

 

 

7 Kommentare

  1. Ich stimme Miniminchen voll und ganz zu! Meine Mama hat sich trotz Vollzeitbeschäftigung immer hingestellt und mir mein Brot geschmiert und Obst und Gemüse eingepackt 🙂
    Genau so gut sollen es meine Kinder später auch haben!

  2. gummibärchen

    also der zukünftigen Oma deiner noch nicht vorhandenen Kinder hat es sehr gut geschmeckt. Ich Hoffe, ich werde auch eine gute Oma, die ihren Enkeln ganz tolle Geschichten von ihren Eltern erzählen kann.

    • du wirst die beste Oma sein, die sich meine noch nicht vorhandenen Kinder nur wünschen können!

    • Ohoh, mein Kind kriegt jetzt schon nur Vollkornbrot, wenn es erstmal von Berlinern erfährt ist es wohl aus mit der Liebe zu Mamas Küche… (Aber das Brot backt Papa.)

  3. Oh… läuft mir grade das Wasser im Mund zusammen…! Soll ich Dir meine Adresse geben? 😉 Sehen die lecker aus. Ein toller Text ist es noch dazu.
    Die Homefrühstück-kontra-Bäckerteilchen-Diskussion führe ich fast jeden Morgen und der Argwohn bleibt, ob mein Frühstück nicht doch im Mülleimer…?
    Inzwischen bin ich deshalb schon deutlich kompromißbereiter, damit die Diskrepanz zwischen Vollkornbrotstulle und Schokoplunder nicht gar so groß ist. Vielleicht backe ich sogar mal Buchteln… 🙂

    Herzlich, Katja

    • Ich bin mal gespannt, wie das bei mir läuft wenn ich Kinder hab. Ich bin ja bei mir selber schon viel zu nachsichtig wenn es um solchen Süßkram geht. Wenigstens kann ich die Zuckermenge selbst bestimmen, wenn ich der Bäcker bin. Und ich mache grundsätzlich weniger rein, als im Rezept steht. Ich bin so stolz auf mich…

Yea, ein Kommentar! Ich freu mich!