Zeitreise

Vielleicht kommt es jedem Erwachsenen so vor, dass die Dinge, die während der eigenen Kindheit und Jugend der letzte Schrei waren, den Kindern heute absolut unbekannt sind. Aber ich denke, gerade wir Kinder der 70er und 80er haben einen besonderen Wandel erlebt. Wir sind mit Kassette und der D-Mark groß geworden und haben miterlebt, wie beides verschwunden ist.
Wir waren nicht zu jung, um das Alte nicht mehr zu kennen und nicht zu alt, um das Neue nicht mehr problemlos annehmen zu können. Wir sind die Übergangsgeneration.

Für mich persönlich war das Leben früher echter. Direkter. Man hat die Leute einfach gefragt, ob sie zum Spielen rauskommen und keine Whats App Nachrichten dafür verschickt. Zum Geburtstag hat man mit einer Karte eingeladen, nicht mit einer Facebookveranstaltung. Und wenn man gefragt hat, ob ein Freund Lust hat Fußball zu spielen, fand das nicht auf der Couch, mit einem Controler in der Hand statt.

gemüsesuppe 89_2

Ich bin froh, dass ich diese analoge Kindheit erleben durfte und denke gern daran zurück. Es gibt so viele Dinge, an die ich mich erinnere, weil sie so besonders waren. Serien, Filme, Spielsachen. Dinge, die in Vergessenheit geraten.
Ich will euch mitnehmen auf eine Reise in unsere Kindheit, will euch erzählen, wie ich sie wahrgenommen habe und möchte von euch hören, wie ihr sie erlebt habt.

Ich freue mich, wenn ihr mich auf dieser Zeitreise begleiten wollt! Nächsten Freitag geht es los.

Hochzeitsmakeup

10 Kommentare

  1. ich finde immer schade das man die kinder die ab 1990 – 1995 geboren bei übergang vergisst, ich kenne Kasseten, Diskmen, Telefonkonferenzen^^ und natürlich die D mark noch…
    Auch die in dem Zeitraum geborenen haben die Veränderungen mitbekommen, auch wen das irgentwie immer alle zuvergessen scheinen, kalr man konnte sich besser anpassen, für einen ging das alles Schneller… Aber für mich Persönlich ist auch schon wie Kinder nun Aufwackzen manchmal sehr befremdlich…

    • Das sehe ich ein bisschen anders. Ich bin 86 geboren, mein Bruder 93 und im direkten Vergleich sehe ich da deutliche Unterschiede. Als wir 95 unseren ersten PC bekammen, habe ich auch zum ersten mal eine CD besessen. Ich hatte also 9 Jahre ohne CD und PC verbracht, als Kind habe ich sogar Schallplatten gehört. Mein Bruder ist mit einem PC im Haus aufgewachsen. Vom Internet hatte ich keinen blassen Schimmer, bis ich in der 8. Klasse Informatik-Unterricht hatte. Das Fax war für mich der Fortschritt schlechthin. Ich glaube nicht, dass mein Bruder jemals ein Fax verschickt hat. Oder eine Schreibmaschine benutzt hat. Als der Euro eingeführt wurde war er 7. Mit Geld hatte er in dem Alter eh noch nicht viel zu tun, also rechnet er nicht noch 13 Jahre nach der Einführung alles in D-Mark um. 95 wurde der Kinderkanal gegründet. Für jemanden, der mit den ersten drei Programmen groß geworden ist eine Senstaion. Für meinen Bruder normal und alltäglich.
      Klar, die in den 90ern geborenen Kindern kennen all diese “alten” Sachen. Sie sind aber nicht komplett ohne die “neuen” aufgewachsen. Sie sind in einer Zeit aufgewachsen, als beides parallel existierte. Und sie waren meist noch zu klein, um diese alten Sachen noch zu verstehen oder zu benutzen oder sich bewusst an die Umstellung zu erinnern.

  2. oh, das ist eine feine idee!
    ich bin ja jahrgang 72, also noch ne ecke älter und lache mich heute kaputt, wenn ich die alten kassetten finde, die man damals noch aus dem radio aufgenommen hat – und sich schwarz ärgerte, wenn der moderator rein quatschte. 🙂
    oder der alte walkman mit den dicken tasten! oder der wandel der kopfhörer dazu – von mini-klein bis zu den heute trendigen riesen-dingern, die man wieder trägt.
    hach…. 🙂
    freu mich drauf!
    herzliche grüße
    die frau s.

  3. Als Kind der Siebziger waren die Veränderungsschritte für mich noch größer – zum ersten mal von einem Handy gehört und an einem Computer gesessen habe ich im Studium – das waren Macs mit einer Festplattengröße von 25MB (!). Als Kind hab ich Schallplatten gehört und auch die Hits der Woche vom Radio auf Kasette aufgenommen – und ebenfalls immer darauf gelauert auch ja im richtigen Moment auf Stop zu drücken, bevor der Moderator wieder loslegt. 🙂 Jeden Nachmittag waren 8 – 20 Kinder gemeinsam draußen unterwegs und haben sich Unsinn ausgedacht – komplett elektronikfrei und ohne Langeweile. Wenn ich mir anschaue, wie mein Sohn zwangsläufig heute aufwächst udn sehe, dass er oft keinen Kumpel findet, der mit ihm rausgehen will, nicht mal einen – dann macht mich das traurig. Unter uns wohnt ein 16jähriger, der Tag und Nacht vor einem monströsen Bildschirm sitzt und mit Freunden via Headset Ballerspiele zockt. Unsere Gesellschaft verarmt sozial komplett und Gemeinschaftssinn und Fantasie finde ich kaum noch bei Kindern. Etwas skurril finde ich es, dass es hier eine “Schule der Phantasie” gibt, in der Eltern Geld dafür bezahlen, dass ihren Kindern wieder beigebracht werden soll, wie Phantasie funktioniert.
    Ein Schlüsselerlebnis war der 5. geburtstag meines Sohnes, zu dem ich eine Schnitzeljagd durch die Natur veranstaltet habe. Die Kinder waren gelangweilt und gleichzeitig komplett überfordert und wussten mit dieser Umgebung nichts anzufangen – es hat nichts geblinkt, es gab keine Tasten und dafür Brennnesseln, Matsch und Käfer… das gab hysterische Anfälle.
    Irgendwie ist es blöd jetzt selber dazustehen und zu sagen: Früher war alles besser. Tatsächlich empfinde ich es aber so. Die Beziehung zur Natur geht verloren, die Phantasie, der Gemeinschaftsgeist, die Neugier und die Begeisterungsfähigkeit fürs Selbermachen, anstatt sich technisch berieseln zu lassen. Kulturverlust.

    Herzlich, Katja

    • Über die 70er kann ich nicht viel sagen, da ich sie ja selbst leider nicht kennen gelernt habe. Ich bin wirklich froh, dass ich in der letzten Generation geboren wurde, die das alles noch bewusst miterleben konnte.
      Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das dann mal bei meiner Tochter sein wird. In den nächsten 10 Jahren wird sich an diesem Zustand wohl leider nichts ändern. Schnitzeljagt war früher das Highlight auf jeder Geburtstagsparty. Oder Topfschlagen. Ich will nicht zu jedem Geburtstag meiner Kinder ein Großevent organisieren, bei dem ein Justin Bieber auftritt um die Kinder bei Laune zu halten.
      Aber manchmal muss ich mich an der eigenen Nase packen. Ich sitze ja auch ständig vor dem PC, morgends bei der Arbeit und zu Hause für dieses Blog. Die Zeit, die ich draußen verbringe hat sich inzwischen auf den Weg vom Haus zum Auto reduziert. Wenn ich meinen Kindern ein Vorbild sein will, muss das anders werden.

  4. und schon hat er mich, der nostalgiegedankennebel. die veränderungen waren gewaltig. wenn ich bloß an die große attraktion des ersten computers in der elterlichen wohnung denke — das war kurz bevor ich mit dem studium begonnen habe … und jetzt sitze ich täglich daran. und wenn ich die lebensrealität meines hübschmadamchens mit der meinen zwanzig jahre früher vergleiche, dann wird mir ganz schwindlig vor lauter wandel. und es tut mir von herzen leid für die kinder und jugendlichen heute, dass sie so vieles an echtem nicht mehr erleben (können/dürfen/wollen?). ich freue mich auf deine serie. und finde es im übrigen verblüffend, wie sehr man sein gesicht schon hat, wenn man ganz klein ist 🙂

  5. Neulich hab ich einen 25-Jährigen sagen hören: “Früher, da war das alles besser …”
    Ich glaube, dass Menschen generell dazu neigen, die Vergangenheit (weil ja bereits heil überstanden) der unsicheren Gegenwart bzw. Zukunft vorzuziehen.
    Aber ich teile gerne die gewisse Wehmut, die ich glaube in deiner Stimme hören zu können. Ich habe sie auch, wenn ich an meine Kindheit denke (Jahrgang 66). An die unzähligen Stunden, die wir draußen im Wald, auf der Straße oder in den Wiesen verbracht haben. Das Miteinander der Nachbarskinder und vor allem auch das spielerische Miteinander mit meiner Schwester.
    Ich hatte Anfang der Woche den absoluten Zeitflash, als ich versehentlich auf BR im TV “Disco” gesehen habe, eine Sendung, die eine musikalische Zeitreise durch die Jahre 1970 bis 1980 unternahm. Meine Füße wippten unter dem Tisch mit und mein Herz war auf einmal wieder 14. Dann 16, 17 – 20.
    Ich mag allerdings auch die Gegenwart, von etlichen Dingen abgesehen. Vor 30 Jahren hätten wir uns zum Beispiel nicht hier und in dieser Runde über dieses Thema unterhalten können 🙂
    Dass die Kinder sich per App verabreden, ist nach meinem Dafürhalten auch auf die Eltern zurückzuführen. Wir hätten uns beispielsweise auch übers Telefon verabreden können. War aber nicht – jedenfalls nicht bei mir zuhause. Da galt die mündliche Abmachung und telefoniert wurde dann, wenn etwas dazwischen kam. Heute tun die Kinder das, was die Erwachsenen auch machen. Und erwachsen sind heute die, die vor 30 oder mehr Jahren Kinder waren .:-)

    Ich freu mich auf deine Reihe und lese gerne mit.
    Liebe Grüße,
    Heike

  6. Oh du sprichst mir da so aus der Seele… Ich habe auch erst kürzlich das alte Kinderalbum zur Hand genommen und Erinnerungen geschwelgt. Und ich ertappe mich manchmal bei dem Satz: Ich kenne noch Schwarzweißfernsehen.

    Selbst wenn man die Kinder nötigt, rauszugehen, einfach zum Kumpel zu fahren. Es klappt nicht, sie wollen es nicht. Die Welt macht da nicht mehr mit.

    Ich freue mich schon auf deine Beiträge 🙂
    LG, Elke

  7. Haaah, tolles Thema!
    Ich bin auch ein Kind der 80er (Jahrgang 82) – in vielen Dingen, die hier beschrieben werden, finde ich mich wieder …. Musikkasette + Plattenspieler (habe ich tatsächlich immer noch – auch regelmäßig in Gebrauch), Treffen mit Freunden/Nachbarn draußen (DRAUSSEN!), Schokoladenessen-Sackhüpfen-Schnitzeljagd am Geburstag, Baumhausbauen-mit den Rädern durchs Dorf heizen …
    Ich weiß nicht, ob früher alles besser war …. allerdings: die Welt der Kinder hat sich verändert (die Welt ingesamt natürlich auch) – ich sehe es ziemlich krass an meiner 7jährigen Stieftochter und z.B. ihrem Fernseh-Erleben. Früher schaute ich (wenig – wir hatten auch nur 3 Programme!): Janosch’s Traumstunde, Löwenzahn, Der kleine Vampir (mit Gerd Fröbe als Geiermeier – fantastisch!). Bei den Serien, die sich die Kleine momentan anschaut, komme ich schon wegen der Bildergeschwindigkeit nicht mehr mit … bambambam … bunt-wild-schnell. Ich bin damit irgendwie überfordert. Andersrum langweilt sich die Kleine, wenn ich mit ihr “D’Artagnan und die 3 Musketiere” (Zeichentrick: alle Figuren als Hunde -ihr erinnert euch?) anschaue: zuuu laaaaangweilig!
    Untersuchungen zeigen, dass Kinder und Jugendliche heute nicht nur in ihren sozialen Kompetenzen zunehmend mehr Defizite aufweisen (macht man halt den Rechner aus, wenn man den Streit nicht lösen kann. Schreibt man halt ne SMS, wenn man die Freundschaft beenden will….arghhh!), sondern auch Schwierigkeiten haben, Emotionen zu erkennen und auch zu verbalisieren – da sie in Serien/Filmen etc. so rasche Emotionswechsel “erleben”, dass sie die eigentlichen Gefühle gar nicht wirklich spüren: innerhalb von wenigen Minuten stirbt der Hund *traurig* – Szenenwechsel – es wird geheiratet *freu* – Szenenwechsel Typ ist eifersüchtig … usw. Diese Durchrasen durch emotionale Zustände führt tasächlich eher zu einer Verflachung – es fehlt die Zeit, sich auf die Emotion einzulassen.
    Das finde ich wirklich traurig.

  8. Puh, die grösste Umstellung zu meiner Lebzeit hab ich immernoch nicht ganz verkraftet, nämlich die zur Smart-Telefon-Generation. Wenn wir unterwegs sind werde ich etwas traurig, wenn ich all die Leute sehe, die alleine dahocken und in so ein kleines Kästelchen starren. Ü.b.e.r.a.l.l. Die ganze Zeit. Auf Zugfahrten flitzen wir oft durch die Waggongs und neulich hab ich mal drauf geachtet, die wenigsten haben getratscht oder in ein papiernes Buch geguckt. Was muss sich nur mein Mädchen dabei denken, wenn es das sieht? Wie stellst Du Dir das mit Deinem Mädchen vor, mit Smart-Telefon und Klapprechner, Pepper?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.